Wilhelmshaven/Rostock - Der Bund prüft derzeit den Kauf des Rostocker Standorts der insolventen MV Werften, um ihn dann als weiteren Arsenalbetrieb vor allem für die Instandsetzungen der in Warnemünde stationierten Korvetten zu nutzen. Einen entsprechenden Bericht des „Spiegel“ bestätigte Siemtje Möller, Parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, auf Anfrage.
„Man ist derzeit in einer ergebnisoffenen Prüfung. Dabei geht es unter anderem darum, den Wert der Immobilie und Anlagen zu ermitteln“, so die Vareler SPD-Bundestagsabgeordnete. Es sei wohl gelungen, die Angebotsfrist auf Ende Juni zu schieben. „Sollte es zu einem Kauf durch die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten kommen, reden wir von einem dreistelligen Millionenbetrag – da müssen wir als Bund eine Fehlinvestition ausschließen.“ Weil es im Falle eines Kaufs auch darum ginge, mehrere Hundert Beschäftigte der Werft zu übernehmen, müssten dann auch die entsprechenden Dienstposten abgebildet werden.
Aus Sicht von Rainer Sacher, Leitender Direktor des Marinearsenals, ist die Ausweitung der Kapazitäten sinnvoll, um die Einsatzbereitschaft der Flotte künftig besser sicherstellen zu können. „Denn wir würden die im Arsenal vor Jahren abgebauten Fähigkeiten in der Schiffstechnik wieder erlangen – und weitere Dockkapazitäten gewinnen, was gerade bei Sofortinstandsetzungen von großer Bedeutung ist.“
Befürchtungen, diese mögliche Entwicklung ginge zu Lasten des Standortes Wilhelmshaven, wies er zurück. „Es geht ausschließlich um die Ostseeeinheiten und deren Besatzungen, die von unserer Eigeninstandsetzung in Rostock profitieren würden. Und von unseren Aufträgen zudem vermehrt Mittelständler.“
Die MV Werften gehörten bis Januar 2022 zum asiatischen Genting-Konzern. Die Schiffbaubetriebe in Wismar, Rostock und Stralsund bauten mit mehr als 2000 Beschäftigten Kreuzfahrtschiffe für den Mutterkonzern.
Die Corona-Pandemie brachte das Geschäft jedoch zum Erliegen und für die MV Werften wurde Insolvenz angemeldet. In einer Transfergesellschaft sind aktuell noch rund 1900 einstige Werftmitarbeiter versammelt.
