Wilhelmshaven - Wenn alles so gut läuft wie bisher, wird Goethes „Iphigenie auf Tauris“ die Premiere am 11. März im Stadttheater feiern. Dann soll die Deckensanierung im Saal nämlich abgeschlossen sein. Bei der Baustellenbegehung am Donnerstag zeigten sich Oberbürgermeister Carsten Feist und Landesbühnen-Intendant Olaf Strieb zufrieden: Vor dem Hintergrund der anhaltend schwierigen Situation auf dem Bausektor sei das Abweichen von der geplanten Fertigstellung im Januar mit nur sechs Wochen Verzögerung „eine sehr homöopathische Dosis“, so Feist.

Im Juni 2022 startete die Sanierung mit dem Abbau der Bestuhlung, der Boden erhielt einen Schutz, da auf ihm das Baugerüst errichtet wurde. Die Deckenhöhe beträgt 13 Meter. „Ein zweites Gerüst befindet sich auf den Fachwerkträgern“, erläuterte Hendrik Köntje, seitens des Ingenieurbüros Manthey zuständig für die Planung und Bauüberwachung.

Es folgten der Abriss der alten Deckenkonstruktion und die Demontage des Stahltragwerks. Die neue Stahlkonstruktion „musste sehr aufwändig mit Seilwinden auf die erste Gerüstebene transportiert werden“, beschrieb Köntje.

Die neue Konstruktion wurde an den Fachwerkbestand montiert. „Die Hauptlast hängt am Tragwerk des Daches.“ 36 Stahlträger in Sonderanfertigungen wurden mit 1250 Metern Unterkonstruktion verbaut. Die Deckenfläche liegt bei 620 Quadratmetern. Mit Laser-Messgeräten war zuvor die komplexe Deckenform dokumentiert worden, um in dreidimensionalen Abbildungen am Computer insbesondere auch schwierige Punkte im Vorfeld zu eliminieren. „Das ist uns hervorragend gelungen“, freute sich Köntje.

Ralf Mittmann, zuständig für die Bauunterhaltung, verwies auf die komplizierte Deckenkonstruktion. Damit verbunden waren umfangreiche Elektroarbeiten. Nun steht die Inbetriebnahme der elektrischen Installationen ebenso bevor wie der Abbau der Gerüste, der Schliff und eine frische schützende Ölung des Saalbodens.


Die Decke kann sich derweil bereits sehen lassen: Fast alle Flächen sind neu bedeckt mit Platten, deren Material sowohl eine noch bessere Akustik, als auch guten Brandschutz gewährleisten. Optisch werden Gäste kaum Veränderungen wahrnehmen, nur die Plattenoberflächen erscheinen etwas dunkler als ihre Vorgänger.

Der Umzug der Bühne vom „Provisorium 29“ zurück ins Große Haus „wird extrem sportlich, weil wir ihn während des laufenden Theaterbetriebs bewältigen müssen“, sagte Strieb, der noch immer voll des Lobes über die Ausweichspielstätte ist. „Ihr ist nicht mehr anzusehen, dass sie sich in einem ehemaligen Baumarkt befindet.“ Kritikern, die es noch gibt, rät er, die nächsten Aufführungen dort noch zu besuchen, um sich einen Eindruck vom dort Geleisteten zu verschaffen.

Doch auch für das Stadttheater wünscht er sich ausverkaufte Vorstellungen: „Allein schon, um die Leistung der Sanierung zu würdigen.“ Den Kosten von 1,5 Millionen Euro sowie 300 000 Euro für die Ausweichspielstätte hatte der Rat der Stadt ohne Zögern zugestimmt: „Es war für uns keine Frage, diese Investition zu tätigen“, sagte Anja Mandt, Vorsitzende des Betriebsausschusses Eigenbetrieb Grundstücke und Gebäude (GGS). „Diese grundlegende Sanierung macht auch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit Sinn.“

Nun läuft mit Hochdruck der Endspurt, um „Iphigenie“ einen pünktlichen Auftritt zu verschaffen.