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Im Drachenboot gegen Brustkrebs „Küsten Pinkies“ sorgen in Wilhelmshaven und Friesland für die Auszeit im Kopf

Wilhelmshaven/Sande/Jever - Als sie 2016 die Diagnose bekam, drehte der Kopf durch. „Ich dachte nur, das darf nicht sein, mein jüngstes Kind ist erst elf Jahre alt“, erinnert sich Carmen Scheuer zurück. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland: Etwa eine von acht Frauen bekommt im Laufe ihres Lebens die Diagnose „Mammakarzinom“.

Auch Jasmin Eilers traf dieses Schicksal aus heiterem Himmel. Das war 2021. Die Architektin steckte mitten in einem Großprojekt. Ihr Herzblut hing daran. „Mir sind die Tränen runtergelaufen, als ich dem Bauherren von der Krebserkrankung erzählt habe“, sagt die 42-Jährige. Auch sie hat Familie und wusste von einer Minute auf die andere nicht mehr, wie es weitergehen soll.

Unterschiedliche Wege im Umgang mit Diagnose

Carmen Scheuer und Jasmin Eilers fanden unterschiedliche Wege mit der Diagnose umzugehen. Während die Sanderin offen über ihre Krankheit sprach, schottete sich die Jeveranerin von ihrer Umwelt ab. Niemand sollte von diesem „Makel“ wissen. Die Erfahrungen, die sie auf der Straße machte, schienen sie darin zu bestätigen. Menschen die sie kannte, wechselten aus Unsicherheit plötzlich die Straßenseite. Über Umwege erfuhr die Architektin, dass hinter vorgehaltener Hand abgeraten wurde, ihr Projekte anzuvertrauen. „Die hat Krebs, da brauchst du dich nicht mehr melden.“

Unerwartete Hilfe: Drachenbootfahren

Carmen Scheuer und Jasmin Eilers geht es heute gut. Während die Sanderin eine Brustamputation, Chemotherapie und Bestrahlung hinter sich bringen musste, kam die Jeveranerin anders, aber kaum glimpflicher davon. Eine unglaubliche Tortur war es für beide – nicht nur für den Körper, vor allem aber auch für die Psyche. Extrem geholfen hat beiden etwas, womit sie nicht unbedingt gerechnet hätten – Drachenbootfahren.

Die Erkenntnis, dass Drachenbootfahren bei Brustkrebserkrankungen und den Folgen hilft, ist nicht ganz neu. Dass die beiden seit geraumer Zeit im wahrsten Sinne des Wortes mit bis zu 18 weiteren Paddlern in einem Boot sitzen, ist dabei vor allem der Verdienst von Yvonne Meyer. 2018 begann sie in Wilhelmshaven die Werbetrommel für die Idee der Küsten Pinkies zu rühren.


Pink Paddling läuft in Deutschland weitestgehend unter dem Begriff der Selbsthilfe. „Wir werfen uns hier aber keinen Stein zu und reden dann stundenlang“, erzählt Yvonne Meyer und grinst. Der Sport soll über eine schwere Zeit hinweghelfen. „Wir können ein Anker und füreinander da sein, wenn es sein muss“, sagt die Trainerin der Küsten Pinkies. Zweimal pro Woche wird trainiert – und das intensiv. Dienstags etwas moderater und donnerstags leistungsorientiert – für die, die möchten.

Paddler keine Zweckgemeinschaft

Die Paddler sind keine Zweckgemeinschaft, hier entstehen Freundschaften, die nicht am Drachenbootrand enden. Die Frauen haben ein tiefergehendes Verständnis füreinander, alle sind in der gleichen Situation. Manche stecken sogar noch mitten in der Therapie. Das schweißt zusammen und öffnet trotzdem Türen für alle, denen es ähnlich geht. Die Auszeit im Kopf, die steten Züge im Takt, das Einstechen des Paddels, das Durchziehen, die freie Natur – und seit neuestem sogar der Erfolg: Denn die Küsten Pinkies sind Deutscher Vizemeister geworden. Und darauf sind die Frauen zurecht mächtig stolz.

23 Teams gibt es deutschlandweit, die unter der pinkfarbenen Schleife fahren. Und auch in Wilhelmshaven ist für jeden Brustkrebsbetroffenen ein Platz frei. Jeder wird mit offenen Armen empfangen. Carmen Scheuer und Jasmin Eilers haben es nicht eine Sekunde bereut. „Wir sind alle glücklich, dass Yvonne ehrenamtlich so viel für uns macht“, sagt Jasmin Eilers und Carmen Scheuer ergänzt: „Es ist eine tolle Truppe.“

Mehr Infos unter Tel. 01520 / 3072021 oder per Mail an pinkpaddlerwhv@gmx.de

Thomas Van Lengen
Thomas Van Lengen Redaktionsleitung Sport, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung
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