Wilhelmshaven - Es gebe bezogen auf die zukünftige Kulturlandschaft in Wilhelmshaven keine Streichliste oder gar „ominöse Liste“. Das betonte der Erste Stadtrat Armin Schönfelder am Dienstag noch einmal nachdrücklich im Kulturausschuss. Es handele sich lediglich um eine Liste „mit freiwilligen Leistungen der Stadt“.
„Wir haben das ganz offen im Rat gemacht“, so Schönfelder. Die Fachbereiche haben zu einzelnen Punkten Stellung nehmen und diese bewerten sollen, um herauszustellen, ob es überhaupt die Möglichkeit gibt, diese Punkte in der Haushaltsberatung anzufassen. Das sei auch der aktuelle Stand. Niemand rede davon, etwas zu streichen oder zu schließen. „Wir bewerten die einzelnen Summen, rund 14 Millionen Euro, um gemeinsam ein Haushaltssicherungskonzept aufzubauen“, erklärte der Erste Stadtrat. „Denn ohne Geld und die Unterstützung des Rates können wir keine qualitativ hochwertige Kultur ermöglichen.“
Auch einzelne Kultureinrichtungen meldeten sich zu Wort. Alle hätten noch mit pandemiebedingten Nachwirkungen zu kämpfen. Die Besucherzahlen erholten sich nur langsam.
Kunsthalle
Petra Stegmann, Leiterin der Kunsthalle, berichtete von einer großen und auch internationalen Aufmerksamkeit, die die Kunsthalle während der Pandemie erlangte. Besonders die Ausstellung „Wette auf die Zukunft“ von Malte Bartsch, die von Besuchern online mit einem Zeppelin beflogen werden konnte, steigerte die Aufmerksamkeit. Auch Michael Stockmann, seit Dezember Kurator der Kunsthalle, bestätigte den bundesweiten guten Ruf der Kunsthalle. Nicht umsonst sei er von Köln nach Wilhelmshaven gezogen.
Stegmann sei selber von den Besucherzahlen im vergangenen Jahr erschüttert – 3700 Besucher waren es. Zum Vergleich: Im Jahr vor Corona waren es 9000. Dennoch stünde die Kunsthalle im nationalen Vergleich gut dar, sagte Stegmann.
Hinzu komme, dass die Kunsthalle nicht dazu da sei, Einnahmen für die Stadt zu generieren, sie habe einen Bildungsauftrag. „Wir sind Teil einer Wertschöpfungskette, die man nicht immer sieht.“ Stegmann betonte, dass die Kunsthalle immer im finanziellen Rahmen ihres Budgets geblieben sei und niemals um mehr Geld gebeten hätte. Seit 2016 habe die Kunsthalle von Bund und Land über 400 000 Euro Fördergelder erhalten.
Diese Mittel seien jedoch immer projektbezogen und dürften nicht für eine Sanierung oder ähnliches genutzt werden.
Stadtbibliothek
Auch die Stadtbibliothek hat mit Baustellen zu kämpfen. Jan Helge Ralle, Leiter der Bibliothek, sprach von Gebäudeschäden, veralteter Einrichtung aus den 60er und 70er Jahren und Wassereinbrüchen.
Ein weiteres Problem sieht er beim Personal: In den nächsten zehn Jahren würden etwa 50 Prozent des Personals in Rente gehen. Auch eine neue Gebührenordnung halte er für notwendig und empfindet die aktuelle auch „rechtlich bedenklich“. Er möchte eine Flatrate und Ermäßigungen für Sozialhilfeempfänger. Geplant sei zudem die Erweiterung der jetzigen Kinder- und Jugendbibliothek sowie eine Bibliotheks-Zweigstelle im Neubau der Marion-Dönhoff-Schule, um den Stadtnorden ebenfalls versorgen zu können.
Küstenmuseum
Sven-Hinrich Siemers machte deutlich, dass nur 0,2 Prozent des städtischen Etats ans Küstenmuseum gingen, davon aber 47 Prozent durch die Mietkosten von monatlich 20 000 Euro an die Stadt zurückflößen. In der Jahnhalle, in der das Küstenmuseum beheimatet ist, gebe es enormen Sanierungsbedarf . An drei Stellen regne es dauerhaft rein, Dachrinnen und Verputzung müssten erneuert werden, die Isolierung eine Katastrophe. Zwar verstehe er die Kritik, dass bereits seit 16 Jahren dieselbe Dauerausstellung zu sehen ist, dennoch sei eine neue erst nach einer Sanierung sinnvoll.
Kulturelle Zukunft
Generell müsse beobachtet werden, wie mit den Kultureinrichtungen umgegangen wird, wenn Michael Diers nicht mehr Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit (WTF) ist, machte Schönfelder deutlich. „Bleiben die Einrichtungen bei der WTF? Gehen sie in die Verwaltung? Machen wir aus der WTF eine Gesellschaft für Freizeit, Tourismus und Kultur?“, fragte er.
Auch die Stelle des Geschäftsführers bei der WTF müsse noch mal überdacht werden. Diers’ Vertrag läuft Ende des kommenden Jahres aus. „Ich habe noch nichts vor, ich kann auch noch länger“, meinte er selbst dazu.
