Wilhelmshaven - Eine Ausstellung soll aufklären im wahren Sinne des Wortes. Es geht um Schwangerschaften im Jugendalter. Um minderjährige Mütter, aber auch um Schwangerschaftsabbrüche im Teenageralter. Die Zahlen auf den Schautafeln sprechen eine andere Sprache als reißerische Medienbeiträge über eine angebliche Zunahme von Teenagerschwangerschaften. Davon ist Hermann Niehuis-Schwiertz von der Pro-Familia-Beratungsstelle in Wilhelmshaven überzeugt.
Der Familientherapeut freut sich, die Ausstellung in Wilhelmshaven präsentieren zu können. Vom 12. bis 16. September ist sie im Foyer des Rathauses zu sehen. Mitarbeiter von Pro-Familia und anderen Organisationen werden vormittags als Ansprechpartner vor Ort sein und Führungen anbieten. An Ständen gibt es zusätzliche Informationen über Beratungsangebote.
Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am 13. September um 14.30 Uhr im Ratssaal. Die einzelnen Banner zeigen große Fotoporträts von jungen Frauen und Titel wie Wer wird schwanger?, Verhütungspannen, Abbrechen oder Austragen?. Präsentiert werden wesentliche Ergebnisse eines Forschungsprojektes des Pro-Familia-Bundesverbands.
Durchgeführt wurde die Untersuchung zusammen mit dem Institut für Sexualwissenschaft der Universität Hamburg. Statistisch betrachtet sind Jugendschwangerschaften in Deutschland demnach eher selten, sagt Niehuis-Schwiertz. In Deutschland werden gegenwärtig sieben bis acht von 1000 Frauen im Alter von 15 bis 17 Jahren schwanger. Drei von ihnen bekommen ein Kind, vier bis fünf entscheiden sich für einen Abbruch.
Vor allem sind es ältere Jugendliche, die schwanger werden 75 Prozent sind 16 oder 17 Jahre alt. Rund 1 Prozent ist 13 Jahre oder jünger. Eine Dramatisierung des Themas sei deshalb sachlich unangemessen und nicht im Sinne der Betroffenen. Trotzdem sei es wichtig, über das Thema zu informieren, um ungewollte Schwangerschaften im Jugendalter möglichst zu vermeiden. Das Thema Verhütung spielt hierbei eine große Rolle.
Auf der anderen Seite müssten junge schwangere Frauen umfassend unterstützt und beraten werden. Dass sich Minderjährige bewusst für ein Kind entscheiden, hänge auch mit einer mangelnden Zukunftsperspektive zusammen, weiß Niehuis-Schwiertz. Ein Kind kann eine Perspektive sein. Wer sich um ein Kind kümmern muss, hat eine Aufgabe, erhofft sich vielleicht eine Stärkung des Selbstwertgefühls.
Junge Frauen mit Berufsperspektiven würden sich eher gegen eine Schwangerschaft entscheiden, da ein Kind zu diesen Zeitpunkt ohnehin nicht in die Lebensplanung passt. In der Ausstellung erfahren die Besucher ebenfalls, dass geringe Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und Armut die Wahrscheinlichkeit erhöhen, ungewollt minderjährig schwanger zu werden, weil dadurch das Verhütungsverhalten beeinflusst wird.Mail: wilhelmshaven@profamilia.de. Klassen können zudem Infomaterial für die Vorbereitung anfordern.
