Wilhelmshaven - Freitagvormittag bei den Jugendwerkstätten der BeKA - Beratung, Kommunikation und Arbeit im Textilhof: Ein großes Festzelt steht auf der Wiese. Junge Menschen reichen Sekt und Saft, schenken Kaffee aus. Ihre jungen Kollegen haben den Platz und das Zelt dekoriert. Ein ehemaliger Teilnehmer greift zum Mikrofon: Früher fand ich das doof hier - vor allem, morgens aufstehen zu müssen. Dann lächelt er. Ich habe die BeKA in bester Erinnerung - ein toller Laden.

Die BeKA feiert an diesem Tag 30-jähriges Bestehen. Da ist es selbstverständlich, dass alle mit anpacken, für die der Träger die ganzen Jahre arbeitet: Junge Menschen, die in den Jugendwerkstätten auf eine berufliche Perspektive hinarbeiten. Unser großer Vorteil sind die vielen kreativen Mitarbeiter, sagt Geschäftsführer Peter Siefken und bedankt sich beim ganzen Team.

Dabei habe die Geschichte der BeKA ganz beschaulich in einem Wohnzimmer mit der Vereinsgründung begonnen, erinnert sich Marianne Janns, die damals zu den Gründunsmitgliedern zählte und bis heute Vereinsvorsitzende ist. Die erste Qualifizierungsmaßnahme war damals für vietnamesische Flüchtlinge bestimmt. Inzwischen bieten die Jugendwerkstätten viel mehr als klassische Werkbänke: Neben Holz und Metall gibt es unter anderem die Bereiche Hauswirtschaft, Kosmetik, Kunst, Handel mit dem Statt-Markt, einem Internetauktionshandel und dem Störtebekerpark als Teil der Werkstätten, in den sich die jungen Teilnehmer in vielen Berufen ausprobieren können. Zudem ist die BeKA Betreiber des Jugendzentrums Point im Auftrag der Stadt Wilhelmshaven und Mitträger des Familienzentrums Ost in Heppens.

Norbert Schnipkoweit ist beeindruckt von der Vielfalt dieser Arbeit. Der Ministerialrat im Niedersächsischen Sozialministerium überbringt zur Jubiläumumsfeier Grußworte der Sozialministerin Cornelia Rundt. In Niedersachsen gebe es rund 100 Jugendwerkstätten, die mit Landes- und Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (EFS) gefördert werden. Sie qualifizierten jährlich über 5000 junge Menschen. Der Bedarf ist nach wie vor groß, sagt Schnipkoweit, der zumindest für das kommende Jahr die Fortsetzung der Finanzierung in gleicher Höhe zusagt, obwohl die EFS-Mittel inzwischen geringer ausfielen. Derzeit arbeite das Ministerium zudem an den neuen Jugendwerkstattrichtlinien, die unter anderem eine Begleitung in Betrieben vorsieht, wenn die jungen Teilnehmer der Werkstätten eine Ausbildung aufnehmen.

Stephan Giesers
Stephan Giesers Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung