Wilhelmshaven - Radio zu machen, sei eine sprichwörtliche Schnapsidee gewesen, erzählt Rüdiger Grube. Aufgekommen bei einem Stammtisch im „Liner“, bei dem sich vor allem gewerkschaftlich engagierte Lehrer wie er regelmäßig treffen. Ihm habe die Idee allerdings gefallen. Die Pensionierung sei nicht mehr fern, sich danach weiter für die Themen Schule und Bildung einzusetzen, fest in seinem Kopf verankert gewesen. „Ich wollte aber in jedem Fall einen Mitstreiter an meiner Seite haben.“ Den fand Grube im pensionierten Lehrer Wolfgang Niemann-Fuhlbohm.
Im Dezember 2015 ging das Duo mit „Forum Schule“ erstmals auf Sendung, ein Format mit bildungs- und gesellschaftspolitischen Hintergrund. „Mir war im Vorfeld sehr klar, was ich im Radio nicht machen wollte, zum Beispiel eine Musiksendung“, erzählt Grube. Ihm ging es darum, Problemfelder in der Bildungspolitik beziehungsweise in einzelnen Schulen zu thematisieren, aber auch besondere Schulprojekte vorzustellen. Kurz: Grube und Niemann-Fuhlbohm wollten dem Oberthema Schule in Forum geben. Und diese Idee setzten sie mit dem Format „Forum Schule“ um.
Unglücklicherweise zog es Niemann-Fuhlbohm nur ein Jahr später nach Oldenburg, so dass die Sendung kurzzeitig auf der Kippe stand. Alleine, an diesem Grundsatz hatte sich nichts geändert, wollte Grube keine Sendung machen. „Ich hatte die Hoffnung, einen jüngeren Kollegen für die Mitarbeit gewinnen zu können – ohne Erfolg“, erinnert er sich.
Bei einer GEW-Versammlung brachte ein Teilnehmer Christoph Seifert als Ersatzmann ins Spiel. „Ich selbst war davon völlig überrascht“, sagt Seifert. „Lust hatte ich aber schon.“ Dass der „Neue“ nun sogar älter war als er selbst, fand Grube zunächst „nicht optimal“, aber diese Skepsis ist längst gewichen. Inzwischen machen Grube und Seifert seit fast drei Jahren gemeinsame Sache, gehen jeweils am dritten Montag im Monat um 19.05 Uhr für eine knappe Stunde auf Sendung.
Das Duo ist im gesamten Sendegebiet unterwegs und hat dabei nicht nur alle Schulformen im Blickfeld, sondern schaut auch nach rechts und links. „Bildung fängt ja nicht erst in der Grundschule an“, sagt Grube. „Deshalb haben wir zum Beispiel auch schon Kindergärten aufgesucht, um das Thema Sprachförderung aufzugreifen.“ Bei ihren Recherchen seien sie bislang noch von keiner Schule oder sonstigen Institution abgewiesen worden, sagt Seifert. Wenn es um bestimmte Konfliktfelder gehe, sicherten sich die Ansprechpartner, etwa die Schulleiter, aber durchaus vorher bei ihren Dienstherrn ab, ergänzt Grube. Dafür habe er absolutes Verständnis.
Weit weniger Verständnis hat er dagegen für einen „Maulkorb“, den eine Dezernentin erließ, als es um Schwimmunterricht an Wilhelmshavener Schulen ging. „Trotzdem haben wir dem Problem fehlender Wasserzeiten Öffentlichkeit verschafft. Es ging sogar bis in den Schulausschuss!“ Gleichwohl gehe es den beiden Pensionären nicht primär darum, Fehlentwicklungen zu benennen oder den Finger in offene Wunden zu stecken. Tolle Projekte oder besonderes Engagement schaffen es mindestens ebenso oft in die Sendung. Und die wird, im Gegensatz zu vielen anderen Formaten im Bürgerfunk, immer vorproduziert. „Das hat sich als sehr vorteilhaft erweisen“, erklärt Grube. Sollte es Versprecher geben, könne die Aufnahme einfach wiederholt werden. Interviews oder andere Gespräche ließen sich zudem auf die passende Länge schneiden. „Ich nehme in der Regel sieben Minuten auf, die fünf Sprachblöcke jeder Sendung sind jeweils fünfeinhalb Minuten lang. Das passt nach dem Schnitt meist sehr gut.“
Während sich Grube bei „Forum Schule“ um den Sprachanteil und die begleitende Homepage (Blog) kümmert, ist Seifert als „Herr der Regler“ vor allem für die Technik zuständig. Die Musikauswahl überlassen sie den Gesprächspartnern der jeweiligen Sendung. „Themen gehen uns nicht aus“, sind sich die beiden Lehrer i.R. einig. Genau wie in der Feststellung, dass jenseits aller Probleme in Schulen, Kindergärten und außerschulischen Lernorten viel Tolles passiere, was leider nicht öffentlich werde. „Und es gibt eine Menge junger Kollegen, die sich weit überdurchschnittlich engagieren!“
Ihre Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse wollen Rüdiger Grube und Christoph Seifert auch weiterhin ein mediales Forum geben – das „Forum Schule“ am dritten Montag im Monat. Heute wäre ein solcher dritter Montag, wegen einer Live-Übertragung aber wird die Sendung zum Thema „Klasse 2000“ (bundesweites Präventionsprogramm für Grundschulen), in den Januar verschoben.
