Wilhelmshaven/SG – - Winterschwimmer laden für Samstag am Südstrand zur Mutprobe ein, tags darauf trinken Naturschützer Tee unter dem Motto „Kluntjes ohne Chlor“ am Außenhafen Hooksiel – mit Blick auf die Einweihung des LNG-Terminals, wo bereits heute die mit Flüssiggas beladene „Hoegh Esperanza“ erstmals anlegen wird. Mit diesen Aktionen will das „Netzwerk Energiedrehscheibe“ Protest zum Ausdruck bringen.
14 Gruppierungen im Netzwerk vereint
„Statt einer klimafreundlichen Energiewende steht aktuell der Ausbau fossiler Energiestrukturen im Mittelpunkt“, so die Kritik des Netzwerkes, zu dem sich Naturschützer und Umweltverbände im Zuge der Diskussion um wenigstens zwei LNG-Terminals an der Wilhelmshavener Wattenmeerküste zusammengeschlossen haben. „Aktuell sind 14 Gruppierungen unter diesem Dach versammelt und beraten die Folgen der Gaspolitik für Wilhelmshaven und die betroffenen Regionen“, erklärt Netzwerk-Sprecherin Stefanie Eilers, zugleich Vorsitzende des Naturschutzbundes Nabu Wilhelmshaven.
Zu den wesentlichen Kritikpunkten zählt die langfristige Einsatzdauer der LNG-Infra-struktur: Für 20 Jahre, bis 2043, soll der Betrieb der ersten schwimmenden LNG-Umschlaganlage (FSRU) in Wilhelmshaven genehmigt werden“, heißt es in der Pressemitteilung des Netzwerkes. Dabei würden über das Prozesswasser große Mengen an Bioziden (Chlor) in die Jade eingeleitet. Nach Auffassung der Umweltverbände sei das nach Meeresstrategie-Richtlinie ein Verstoß gegen EU-Gesetze, zudem gelte ein Verschlechterungsverbot. Kritik gibt es zudem an der kurzen Genehmigungsdauer. „Das zeugt vom politischen Unwillen, die Energiewende voranzubringen“, kritisiert Eilers. „Fossiles Frackinggas, wie hier mehrheitlich zu erwarten ist, ist zudem besonders klimaschädlich – ein Irrsinn in Zeiten des Klimawandels.“
Zudem bezweifelt das Netzwerk beim LNG die Embargo-Wirkung. Russland liefere weiterhin an andere europäische Länder, von denen Deutschland mit Flüssiggas beliefert werde. Ein großes Potenzial, um fehlende russische Direktlieferungen von Gas zu kompensieren, sieht das Netzwerk in der Einsparung von Energie. „Allein die Einwegplastikindustrie verbraucht 8 Prozent des deutschen Gasbedarfs, soviel wie zukünftig in Wilhelmshaven eingespeist werden soll“, so Netzwerk-Sprecherin Imke Zwoch, Vorsitzende des BUND Wilhelmshaven.
Tempo auf Kosten des Naturschutzes?
Kritik gibt es zudem am Tempo. Durch das LNG-Beschleunigungsgesetz würden umweltrechtliche Instrumente für den Arten- und Lebensraumschutz außer Kraft gesetzt. Das betreffe auch die Pläne, Wilhelmshaven zum Wasserstoff-Drehkreuz auszubauen. Der belgische Konzern TES will dafür einen Wasserstoffindustriepark errichten – „in einem europäischen Vogelschutzgebiet direkt hinter dem Wilhelmshavener Seedeich“, so das Netzwerk. „Der Investor zeigt sich im Umgang mit Kritikern professionell kommunikativ. Am fortschreitenden Verlust wertvoller Lebensräume ändert das nichts.“
Mit Blick auf den Ausbau erneuerbarer Energien verpasse Deutschland und besonders Wilhelmshaven nach Meinung des Netzwerkes die grundlegende Veränderung der Energieversorgung.
