Wilhelmshaven - Der damalige Marinefeuerwerker und Oberleutnant zur See Rolf Rütters hätte sich 1976 gewiss nicht träumen lassen, dass es zum 45-jährigen Bestehen der Feuerwerkergilde Wilhelmshaven keine Feier geben wird. Doch tatsächlich musste sie corona-bedingt ausfallen.
Zur Gründungsveranstaltung am 18. Juni 1976 hatte der 2014 verstorbene Voslapper alle erreichbaren Feuerwerker der Marine im Raum Wilhelmshaven in die Gaststätte „Zur Korvette“ eingeladen. Einstimmig, durch acht anwesende Marinefeuerwerker, wurde anschließend die „Feuerwerkergilde Wilhelmshaven im Bund Deutscher Feuerwerker und Wehrtechniker e.V. (BDFWT) ins Leben gerufen. Als erster Vorsitzender wurde der Marinefeuerwerker Fregattenkapitän Walther Kühtze (†) gewählt. Der Wahlspruch der hiesigen Feuerwerkergilde lautet: „Bei strenger Pflicht getreu und schlicht!“
Nach vier Jahren zählte die Gilde seinerzeit bereits 26 Mitglieder, heute sind es nach eigenen Angaben über 60. Das Einzugsgebiet der Mitglieder reicht dabei von der holländischen Grenze bis über die Weser und von der Nordseeküste bis nach Ostwestfalen. Dem Vorstand, dem neben dem Vorsitzenden Hans Frenken und seinem Stellvertreter Frank Mc Areavey noch Horst Eden als Schriftführer und Erich Diddens als Schatzmeister angehören, ist es wichtig, den Mitgliedern „ein beständiges und reges Vereinsleben anzubieten“. So treffen sich die Männer in normalen Zeiten zum monatlichen Stammtisch im Gorch-Fock-Haus; es gibt zudem Fachvorträge und jede Menge gesellige Veranstaltungen – ob Boßeln oder Grillabende.
Besonders wichtig ist dem BDFWT, allen Mitgliedern größtmögliches Sach- und Fachwissen sowie den höchstmöglichen Sicherheitsstandard zu vermitteln. Für die erforderlichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen durch Lehrgänge, Symposien, Seminare und Workshops ist über zwei Jahrzehnten der anerkannte Schulungsträger DFAB (Deutsche Feuerwerker Ausbildungs- und Beratungsgesellschaft mbH) zuständig.
In der Öffentlichkeit findet die Feuerwerkergilde vor allem Beachtung, weil sie sich seit 1989 für die Stadt Wilhelmshaven um die Pflege und Erhaltung der Gedenkstätte Planckstraße kümmert. Dort wird an die Opfer der beiden schweren Explosionsunglücke in Munitionsdepots 1919 am Rande von Mariensiel und 1920 an der Planckstraße erinnert. Am Volkstrauertag legt der Gilde-Vorstand in Anwesenheit des Oberbürgermeisters oder eines Bürgermeisters stets einen Kranz zum Gedenken an die Opfer nieder.
Die Geschichte der Feuerwerker an der Jade begann bereits kurz nach Gründung der Stadt im Jahr 1873 mit der Gründung des Feuerwerker-Vereins in der Nordseestation. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es etwas, bis dann am 20. November 1952 die Ortsgruppe Wilhelmshaven im Bund Deutscher Feuerwerker e.V. gegründet wurde. Drei Jahre später entstand eine tatkräftige Frauengruppe, 1956 erfolgten viele Zugänge von Männern des ehemaligen waffentechnischen Personals der Marine, bevor 1957 die ersten vier Angehörigen der neuen Bundesmarine Mitglied wurden. Doch in der Folgezeit war es lange sehr ruhig um die Feuerwerker in Wilhelmshaven. Bis eben Rolf Rütters die ersten Männer mobilisieren konnte.
Durch Mitgliederwerbung des Bundes kamen dann immer wieder Feuerwerker dazu, die zum Teil aus umliegenden Bundeswehrdienststellen der Luftwaffen-Fliegerhorste Wittmund und Upjever sowie Munitionsdepots der Bundeswehr kamen bzw. aus den ansässigen Kampfmittelräumfirmen Karl Schollenberger und Franz Lutomsky geworben wurden.
