Wilhelmshaven - Was wäre das Siedlerfest ohne Besenwerfen? Es lebt davon und bringt alljährlich mehr als Tausend Menschen als Teilnehmer oder Zuschauer auf die Straßen Nicht auszudenken, wenn es einmal total verregnen sollte. Doch auch diesmal hatte Petrus entgegen aller Prognosen (Schauer und Gewitter) ein Einsehen. Die Supergaudi wurde wieder zum eigentlichen Höhepunkt des Festes und die Stimmung schwappte vielfach über.

Hitze macht durstig. Schon deshalb floss beim Besenwerfen wieder Alkohol in Mengen. Unzählige Schnaps- und Biertransporter, die in manchen rheinischen Karnevalsumzug gepasst hätten, wurden mitgeführt. Eine als Seeräuber verkleidete Mannschaft hatte dazu eigens zwei Sklaven angeheuert. Das kann man nüchtern gar nicht ertragen, kommentierte ein Besucher denn auch das Geschehen. Nur aus einer Gruppe der Firma Schlecker aus Essen im Rheinland, die im Rahmen einer Nachbarschaftsaktion zu Gast war, hörte man: Hätte ich das gewusst, wäre ich lieber zu Hause geblieben!

Gemeint war aber die lange Wartezeit am Start. Die Schlecker-Teams bildeten den Abschluss von 80 teilnehmenden Mannschaften und mussten 90 Minuten warten. Ich wohne seit 22 Jahren in Friesland und war noch nie dabei, sagte Landrat-Kandidat Frank Vehoff (CDU) erstaunt, als Matthias Lührs, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft I die Mannschaften auf den Rundkurs schickte. Anwurf hatte der Schirmherr des Festes, Bernd Kleemann, und lautes Gejohle gab es vor allem bei Fehlwürfen. Schon vor dem Start wurde zu typischer Mallorca-Musik gesungen, getanzt oder nur mit dem Hintern gewackelt.

Ein sehr farbiges Bild boten die einfallsreich kostümierten Mannschaften. Neben vielen Varianten aus einschlägigen Versandhäusern waren auch eigene Kreationen zu bewundern. Es waren Matrosen, Flugkapitäne, Sträflinge, Feierwehrleute, Helden des Tages und Ärzte ganz in Weiß und mit Stethoskop, die sich leider nicht für Erste Hilfe, sondern ihm Rahmen ihrer Homeopathyschen Schönheits-Chirurgie für Brustvergrößerungen durch Handauflegen zuständig fühlten, vertreten.

Damen waren zügellos (mit Minipferd), Prosecco-Lerchen, Marienkäfer oder Miss Wodka Tonic, Tequila und Campari, um nur einige zu nennen. Besondere Kopfbedeckungen, Netzstrümpfe und T-Shirt-Texte, wie Mich gibt es auch nüchtern, sorgten für Aufsehen. Den Veranstaltern der Siedlergemeinschaften mag es gefallen haben, dass der Nachbau eines Siedlungshauses als Getränketransporter und ein Gärtner auf einem Strohballen im Umzug mitgeführt wurden.


Der mit einem Autoskooter, einem Karussell, einer Schießbude, einem großen Tanzzelt und verschiedenen Getränke- und Imbissständen gut besetzte Festplatz wurde zu anderen Anlässen besucht: Abends wurde im Zelt getanzt, gestern Vormittag hielt Pastorin Meike von Fintel einen Zeltgottesdienst, bei dem Posaunisten aus der Partnergemeinde Friedersdorf in Sachsen mitwirkten.

Am Nachmittag wetteiferten die Kinder bei Geschicklichkeitsspielen um Königswürden. Neues Königspaar wurden Alina Kühnert und Benneth Lührs. Geldpreise erhielten auch Manuel Tief, Dominik Janßen, Jette Hellwig und Kira Oelschläger auf den nächsten Plätzen. Der Flohmarkt am Wochenende war gut beschickt, jedoch wenig besucht.