Wilhelmshaven - Wer einen neuen Hausarzt sucht, muss einen langen Atem haben. Viele Praxen lehnen Neuaufnahmen ab, weil schon der bestehende Patientenstamm die Kapazitätsgrenze zu sprengen droht. Dieses Problem dürfte sich weiter verschärfen, denn zum 1. Januar wurde die erst vor drei Jahren eingeführte Neupatientenregelung wieder abgeschafft.

Ziel der Neupatientenregelung war es unter anderem, Arztpraxen mit Bonuszahlungen zu motivieren, mehr Sprechstundenzeit anzubieten, um mehr, vor allem auch neue Patienten behandeln zu können. Dieses Prinzip hat der Gesetzgeber auf Initiative des Bundesgesundheitsministeriums nun wieder kassiert.

Klaus Peter Schaps, selbst niedergelassener Arzt und Vorsitzender der Kreisstelle Wilhelmshaven der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), fürchtet eine Verschärfung der Situation – vor allem für die Patienten, aber auch für die Praxen. „Einen neuen Hausarzt zu finden, wird sicher noch schwieriger. Wie viele Patienten eine Praxis aufnimmt, ist ihr überlassen. Dafür gibt es keine Vorgabe. Die zusätzliche Vergütung war aber sicher ein gewisser Anreiz. Gesetzlich geregelt ist nur die Behandlungsverpflichtung für Notfälle. Betroffene Patienten müssen deshalb aber nicht dauerhaft ins Kontingent der Praxis aufgenommen werden“, erklärt Schaps.

Neben der Streichung der Bonuszahlungen spiele noch ein weiteres Problem mit hinein: die fachärztliche Versorgung, die in verschiedenen Disziplinen große Lücken aufweist. „Bei uns in Wilhelmshaven ist der Mangel an Kinderärzten ein großes Thema. Aber es fehlt zum Beispiel auch an Dermatologen“, weiß Schaps. Entsprechend lange dauere es, beim Facharzt einen Termin zu bekommen.

Eine Konsequenz: „Patienten gehen zu ihrem Hausarzt, um sich von diesem einen Facharzttermin vermitteln zu lassen“, erklärt der Mediziner. Die Vermittlung war ebenfalls Teil der Neupatientenregelung, wurde bis zum 31. Dezember also extra vergütet. Vermittlung solle es weiter geben (Näheres noch nicht bekannt), gleichwohl gehe diese immer zu Lasten der „normalen“ Behandlungszeit, weshalb weniger Patienten hausärztlich versorgt werden könnten .


Es sei nicht schön, aber Patienten müssten damit leben, dass es wohl immer schwieriger werde, einen Facharzttermin zu bekommen. „Es gibt Praxen, die offene Sprechstunden anbieten. Dort werden keine Termine vergeben, Patienten müssen dafür lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Ich kann nur empfehlen, sich im Bedarfsfall genau zu informieren, ob es offene Sprechstunden gibt“, sagt Schaps.

„Der gesetzliche Rahmen hat sich nun einmal verändert – und für Patienten leider verschlechtert.“ Diesbezüglich sei ihm ganz wichtig, dass die Verantwortung dafür nicht bei der Kassenärztlichen Vereinigung, sondern im Bundesgesundheitsministerium liege, hebt der Sprecher der Kreisstelle Wilhelmshaven hervor.

Der Virchowbund (Verband der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Deutschlands) hat Praxen gerade dazu aufgerufen, ihren Betrieb auf eine Vier-Tage-Woche umzustellen, um so den Kostendruck zu minimieren. Der, so wird argumentiert, habe sich durch die Abschaffung der Neupatientenregelung weiter verschärft. Ein Ansatz, den Schaps durchaus nachvollziehen kann. Sollte es allerdings dazu kommen, wird es für Patienten vermutlich noch enger.

Lutz Rector
Lutz Rector Stellv. Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung