Wilhelmshaven - Bier trinken, schlafen bis in die Puppen und ständig Ferien – so stellen sich die meisten ein Studentenleben vor. Doch zur Zeit ist alles anders.

Wiebke Kruse (24) und Alicia Stührenberg (25) studieren an der Jade Hochschule Medienwirtschaft und Journalismus im siebten Semester. Dreieinhalb Jahre drücken sie schon die Hochschulbank, mehr als die Hälfte davon von Zuhause – wegen Corona. „Als die Onlinevorlesungen anfingen, fand ich es super. Viele Klausuren, die mir Bauchschmerzen bereitet haben, wurden zur Hausarbeit, dadurch hatten wir leichtes Spiel, durch die Abgaben zu kommen“, erzählt die 24-Jährige. „Inzwischen schätze ich das nicht mehr so, weil ich dadurch keinen geregelten Alltag mehr habe und nur noch vor dem Computer sitze.“ Schade findet Alicia, dass sie zu vielen aus ihrem Semester mit der Zeit den Kontakt verloren hat: „Das Gemeinschaftsgefühl fehlt einfach.“

Zwar können sie sich ihren Alltag viel besser einteilen, da die Fahrerei zur Hochschule wegfällt, aber das Studium und ihren Nebenjob unter einen Hut zu bekommen, ist trotzdem nicht einfach für sie. Trotzdem sind beide froh, einen Nebenjob zu haben. Zu Beginn der Pandemie fiel der von Alicia nämlich weg. Sie arbeitete in einem Café in ihrem Wohnort Oldenburg – das musste im ersten Lockdown schließen. Im Sommer 2020 gab es zwar eine finanzielle Studentenhilfe vom Bund, trotzdem war sie traurig, nicht mehr im Café arbeiten zu können.

Alicia sieht aber auch einen Vorteil an der jetzigen Situation, denn den Haushalt kann sie gut zwischen die Vorlesungen schieben, in Präsenz geht das natürlich nicht: „Ich bin so einfach insgesamt viel produktiver.“ Trotzdem sieht sie auch, dass die Dozenten mit den Onlinevorlesungen zu kämpfen haben. Trotz des medienbezogenen Studiengangs hätten einige wohl erst während der Pandemie so richtig gelernt, wie ein Computer funktioniert; manche verfügten nicht einmal über Internet Zuhause.

Die gebürtige Ostfriesin Wiebke ist im vergangenen Jahr nach Hamburg gezogen, dort machte sie ein Praktikum in einer Filmfirma und ist einfach geblieben – Onlinevorlesungen machen es möglich. In der Hochschule war sie das letzte mal so richtig vor zwei Jahren: „Wäre ich noch in Ostfriesland, wäre ich sicherlich öfter da, um einfach mal rauszukommen. Das denke ich oft, wenn ich in Hamburg in meinem 10-Quadratmeter-WG-Zimmer sitze.


Manchmal setzt sie sich dann einfach in die Uni Hamburg, schnuppert ein bisschen Studentenluft, viel mehr ist vom typischen Studentenleben nicht übrig geblieben. Doch das stört Wiebke und Alicia nicht: „Ich persönliche vermisse es nicht. Wir hatten unsere Ersti-Partys, die gehören auch einfach zu. Mir tut es nur leid für die nachfolgenden Semester, die es gar nicht miterlebt haben“, sagt Alicia.

Und Wiebke erzählt: „Ich hatte glücklicherweise noch ein typisches Studentenleben vor Corona. Ich habe in einer tollen WG gewohnt: Wir haben Partys geschmissen, Leute eingeladen und Weihnachten im April gefeiert. Ich habe nachts am Strand getanzt, Nächte durchgelernt und dann Tränen verdrückt, weil ich dachte, dass ich den Kurs doch nicht schaffe. Jetzt fängt einfach ein neues Kapitel für mich an.“

Alina Zacher
Alina Zacher Volontärin, Wilhelmshavener Zeitung