Wilhelmshaven - Die Wilhelmshavener SPD–Fraktion hat erhebliche Zweifel an der Darstellung der Verwaltung, dass es nicht wirtschaftlich sei, das jetzige Jadezentrum mit der Stadthalle zu sanieren. Die Verwaltung hatte zuletzt dargelegt, dass eine interne Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis gekommen sei, dass eine Sanierung teurer sei als ein Neubau an anderer Stelle. So hatte es auch der Erste Stadtrat Armin Schönfelder in dieser Woche im Kulturausschuss betont.

Die SPD wirft der Verwaltung hingegen vor, bei dem Thema voreingenommen zu sein. Man habe nicht ergebnisoffen geprüft. „Die Bürger haben sich ganz klar für eine Stadthalle am jetzigen Standort ausgesprochen, das müssen wir respektieren. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, so die Fraktionsvorsitzende Christina Heide im Gespräch mit der Wilhelmshavener Zeitung.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Detlef Schön wird noch deutlicher: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es viele Architekten gibt, die Ihnen erklären können, wie die Halle saniert werden kann. Und dass nichts zu machen ist, akzeptiere ich erst, wenn die gehört wurden.“ Es sei nach Auffassung der Sozialdemokraten nicht transparent, wie die Verwaltung zu dem Ergebnis gekommen ist, dass der jetzige Standort nicht mehr zu retten ist. Das müsse detailliert erklärt werden.

Neben der „perfekten Lage“ spräche auch das Thema Nachhaltigkeit für eine Sanierung. Die Betonherstellung sei einer der größten Faktoren für CO2-Emissionen „und wir wollen einen so riesigen Betonklotz abreißen und wieder neu bauen. Unsinn“, so Schön.

Die Debatte um die Stadthalle nahm am Donnerstag auch der Ausschuss Grundstücke und Gebäude der Stadt (GGS) auf. Nahezu unstrittig war, dass das Oberzentrum Wilhelmshaven eine Stadthalle benötige. „Wir dürfen hier nicht ins Mittelalter zurückversetzt werden“, mahnte Stefan Becker /Win@WBV). Am Donnerstag stellte sich in erster Linie die Frage, ob eine Stadthalle künftig in privater oder kommunaler Hand sein und wo sie sich befinden sollte – unter anderem weiterhin an der Grenzstraße, an der Friedenstraße oder vielleicht an der Genuisbank.


Wichtig sei auch, dass sich die künftige Stadthalle, sofern es sie geben sollte, im Erdgeschoss befindet. Sie an der Grenzstraße entsprechend vom Ober- ins Erdgeschoss abzusenken, sei finanziell nicht kalkulierbar, merkte Stadtbaurat Niksa Marusic an. Dem entgegnete Becker (Win@WBV), dass es vor etlichen Jahren für diese Idee bereits eine Kostenschätzung in Höhe von zehn bis zwölf Millionen Euro gegeben habe, dieses Vorhaben somit definitiv zu kalkulieren und eventuell eine Option sei.

Ein Interessenbekundungsverfahren soll nun zunächst klären, ob es potenzielle Investoren gibt, um für das Grundstück an der Grenzstraße eine Stadthalle oder eine städtebauliche Entwicklungsmöglichkeit zu realisieren, diesem Beschluss, der sowohl schon im Kultur- als auch im GGS-Ausschuss durchgewunken wurde, muss in der kommenden Woche noch der Rat der Stadt zustimmen.

Suntke Pendzich
Suntke Pendzich Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung