Wilhelmshaven - Der Schulausschuss des Rates bleibt dabei: Er fordert ein Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen für Wilhelmshaven – so wie es das für das Lehramt an Gymnasien bereits in der Stadt gibt. Die Lehramtsanwärter an den Grund- und Oberschulen aber müssen weiter für den theoretischen Teil ihrer zweiten Ausbildungsphase nach Oldenburg oder Aurich fahren.
Seit Jahren sieht sich Wilhelmshaven bei der Versorgung mit Lehrern gerade in den Grundschulen abgehängt. Junge Pädagogen, so die Erkenntnis, bleiben nach Abschluss ihres Studiums lieber in der Nähe ihres Studienorts. Die Erfahrungen mit dem Studienseminar für das Gymnasiallehramt scheinen diesen sogenannten Klebe-Effekt zu bestätigen. Sind Referendare erst einmal in Wilhelmshaven, bleiben sie nach dem Abschluss eher in der Stadt. Deshalb hatte der Schulausschuss vor der Corona-Pause einmütig die Verwaltung beauftragt, mit der Landesschulbehörde über dieses Thema Gespräche zu führen.
Auch die Schulleitungen der Grundschulen hatten sich in dieser Sache an die Landesschulbehörde gewandt. Ein Antwortschreiben von Dezernentin Katrin Thiesen hatte dann für Unruhe gesorgt. In der Sitzung des Schulausschusses stellte die Dezernentin klar, dass sie Kontakte herstellen werde, wenn die Stadt offiziell einen Eintrag stelle. Sie selbst habe keine Entscheidungsbefugnis. Nach ihrer Kenntnis aber reichten aktuell die Kapazitäten der bestehenden Studienseminare aus. Es bestehe eher kein Bedarf an zusätzlichen Einrichtungen.
Ist die Unterrichtsversorgung schon besser geworden?
Gleichwohl zeigte sie Verständnis für die Wilhelmshavener Wünsche. Die Unterrichtsversorgung an den Grund- und Oberschulen sei allerdings auch jetzt schon besser geworden. Sie bemühe sich, freie Stellen in Wilhelmshaven vorrangig zu besetzen. Derzeit werden ihren Angaben zufolge 26 Lehramtsanwärter an Wilhelmshavener Grund- und Oberschulen ausgebildet. Mehr gehe nicht – auch mit Rücksicht auf die personellen Möglichkeiten der einzelnen Schulen.
Weder Erster Stadtrat Armin Schönfelder noch die Sprecher der verschiedenen Gruppierungen wollten sich mit diesen Auskünften zufrieden geben. Die Ansiedlung von Landesbehörden sei eine politische Entscheidung, sagte Martin Ehlers (CDU) mit Nachdruck. Wilhelmshaven habe in den vergangenen Jahren viele hochwertige Arbeitsplätze durch Abzug von Bundes- und Landesbehörden verloren. Jetzt fordere die Stadt ihre Ansprüche als Oberzentrum ein – auch zugunsten der Landkreise Friesland und Wittmund.
Unterstützung versprach der Leiter des Neuen Gymnasiums Wilhelmshaven, Stefan Fischer. Er ermutigte die Stadt ausdrücklich, einen entsprechenden Antrag zu stellen. Nicht nur Grund- und Oberschulen in Wilhelmshaven und der Region würden profitieren. Auch die Gesamtschulen seien dringend auf die Ausbildung von Lehrkräften in diesem Bereich angewiesen.
