Wilhelmshaven - Die Zwangsversteigerung für den so genannten „Ehrenwortplatz“ naht. Am 15. November ist es so weit. Und auch wenn der aufgerufene Preis von 1,75 Millionen Euro eher niedrig angesetzt ist (zur Erinnerung: Die Terragon AG hat rund 5 Mio. Euro für das Areal bezahlt), so stellt sich die Frage, ob die kürzlich auf dem Areal stattgefundene „Namensgebungs-Geburtstagfeier“ nicht das Aus für den Weiterverkauf des einstigen „Sahnestück-Grundstücks“ in Wilhelmshaven eingeläutet hat? So sieht es jedenfalls Investmentberater Mick Klein.
Zwei Ideen gescheitert
Nachdem mittlerweile zweimal ein Investor mit seinen Umsetzungsideen für das rund 5630 Quadratmeter große Areal gescheitert ist, siehe Outlet-Center und Senioren-Residenz, wird laut Klein „kaum noch ein Geldgeber ‚blind‘ den Platz ersteigern, ohne zu wissen, was er nachher damit macht. Eine genehmigungsfähige Planung kosten viel Geld. Ohne vorherige Zusagen geht niemand in Vorlage“. Mick Klein, der aus Freiburg stammende Investmentberater für Family Offices, Banken und Pensionskassen, lebte von 2018 an rund zwei Jahre in Wilhelmshaven, ist aber vorrangig in Spanien tätig. 2020 hatte er den Ehrenwortplatz an die Terragon AG vermittelt, nachdem er von dem damaligen Grundstückeigentümer Uwe Kleiner nach Wilhelmshaven entsendet worden war, um das von Jan Leuze (bekanntlich gab dieser sein Ehrenwort für die Verwirklichung des Projektes) initiierte Outlet-Center zu kalkulieren. Nachdem die Berechnungen keine wirtschaftliche Option für das Outlet-Center ergeben hatten, sorgte Klein dafür, dass das Areal weiterverkauft werden konnte.
Investoren lesen alles
Dass im Anschluss auch der nächste Grundstückseigentümer, die Terragon AG, eigentlich ein solides Unternehmen, bedingt durch Corona und steigende Materialpreise Insolvenz anmelden musste, „damit hat niemand gerechnet“, so Klein. Terragon galt bis dato als Marktführer in der Projektentwicklung für Senior Living-Projekte. Laut Klein sei die kürzlich erfolgte Berichterstattung über die „Geburtstagsfeier“ der Namensgebung für den „Ehrenwortplatz“ (die NWZ berichtetet) nicht gerade förderlich für einen Weiterverkauf des Grundstücks, das bekanntlich zurzeit wieder von vielen als kostenlose Parkgelegenheit genutzt wird. „Investoren sind auch im Internet unterwegs und lesen diesen Artikel. Der Platz ist mittlerweile ’verbrannt’, es dürfte schwierig werden, dafür noch einen Käufer zu finden“, so Klein. Nichtsdestotrotz ist der Investmentberater überzeugt, dass aber die Umsetzung des umstrittenen Stadthallen-Neubaus auf dem Ehrenwortplatz eine Zukunft haben könnte – und ggf. einen interessierten Investor.
Kein „Schnickschnack“
Laut Mick Klein könnte auf dem Ehrenwortplatz eine Stadthalle mit Hausmeisterwohnung, Verwaltung und ggf. einer kleinen Gastronomie entstehen –„ohne sonstigen Schnickschnack wie Fitnesscenter oder ähnliches“. Als langfristiger Mieter könnte die Stadt Wilhelmshaven die Stadthalle mieten, „mit einer Bürgschaft des Lands Niedersachsen für die Miete und einer Zusage von Fördermitteln“, so der Vorschlag des Investmentberaters. Die Bürgschaft sei Voraussetzung dafür, dass ein Investor das Risiko eingehen würde, das Gelände zu kaufen, eine Stadthalle darauf zu bauen und an die Stadt zu vermieten. Klein: „Der Ehrenwortplatz wäre ideal für diese Stadthalle. Der Standort ist einfach zu finden und anzufahren. Eigene Parkplätze wären gesichert, denn das Grundstück ist groß genug“.
Bürgschaft vom Land
Für das Objekt würden maximal 40 Prozent der Fläche benötigt. Zusätzlich würde durch eine Stadthalle inmitten der City auch die umliegende Einkaufsstraße belebt und das Image aufpoliert. In Sachen technischer Ausstattung und Architektur hätte die Stadt freie Hand – quasi als Bauherr, nur eben nicht als Besitzer, so Klein, der seinen Vorschlag u. a. einem Rats-Mitglied der Stadt Wilhelmshaven unterbreitet hat. Denkbar wäre seiner Meinung nach ein ewiger Pachtvertrag und/oder „Sale&Lease-Back“ (eine Art von Finanzierungsleasing), eventuell auch eine Partnerschaft zwischen Investor, Stadt und Land. „Man müsste einem künftigen Investor schon etwas anbieten, denn der Ruf der Stadt Wilhelmshaven ist diesbezüglich nicht der beste. Vieles spricht sich schnell in der Branche herum“, so Mick Klein, der überzeugt ist: „Schlange stehen wird für dieses Grundstück niemand“.
