Wilhelmshaven - Alles soll besser werden – aber nichts darf sich ändern. Genau diese (irrationale) Befindlichkeit dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die Gesellschafterversammlung der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit GmbH (WTF) deren viel gelobten Vordenker in die Wüste schickt.

Falsche Formulierung? Vielleicht. Michael Diers wird ja nicht rausgeworfen. Eine politische Mehrheit aus SPD, UWG, Grünen und FDP hat lediglich verhindert, dass der Oberbürgermeister mit dem Geschäftsführer über eine Vertragsverlängerung über das Jahr 2021 hinaus verhandelt. Das Ergebnis aber bleibt gleich: Diers ist die politische Rückendeckung entzogen worden. Das ist die Höchststrafe für jemanden, der für seine Sache brennt, die Stadt kulturell, touristisch oder im Veranstaltungssektor voranzubringen.

Die Stadt hat dem WTF-Chef viel zu verdanken. Ihm ist es vor allem durch eine Fülle von tollen Veranstaltungen von StreetArt-Festivals über Open-Air-Konzerte bis zu Lichterfesten gelungen, das überregionale Image von Wilhelmshaven aufzupolieren, Angebote auch für junge Leute in der Stadt zu schaffen und damit ein neues Wir-Gefühl zu erzeugen.

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Aber Michael Diers wäre nicht Michael Diers, wenn ihm das schon genug wäre. Stadthalle am Banter See, Museumshafen am Bontekai, virtuelle Spaziergänge durch die Stadtgeschichte, neues Südstrand-Konzept, Fetting-Museum im alten städtischen Lagerhaus, Pumuckl-Ausstellung, Jules-Verne-Brunnen – der Mann sprüht vor Ideen, Kreativität pur, die der Stadt gut getan hat und auch noch weitere Jahre gut tun könnte.


Aber es gibt auch nachvollziehbare Kritikpunkte: Der WTF-Chef ist kein Diplomat, tut sich mit Behördenstrukturen schwer, überfordert gelegentlich seine Mitarbeiter, verletzt Mitstreiter in Politik und Verwaltung durch unbedachte Äußerungen, stößt Menschen vor den Kopf, die von lieb gewonnenen Gewohnheiten nicht so einfach lassen wollen.

Ja, es gibt Gründe, Diers zu kritisieren. Und jeder der Entscheider in der Gesellschafterversammlung wird für sich einen Grund gehabt haben, gegen eine Vertragsverlängerung zu stimmen. Aber insgesamt ist das Votum ein schwerer Fehler, der Stadt würde mit einer Trennung ein Bärendienst erwiesen.

Wilhelmshaven soll doch noch in vielerlei Hinsicht besser werden. Dafür braucht es Veränderungen. Erste Voraussetzung dafür sind Menschen, die den Mut haben, Veränderungen zu denken. Michael Diers ist so ein Mensch.