Wilhelmshaven - Igel, Hasen, Rehe, Fledermäuse – vermutlich leben im Stadtteil Rüstringer Stadtpark mehr Wildtiere als Menschen. Denn laut Statistik der Stadt Wilhelmshaven haben gerade einmal 61 Bürger ihr Zuhause in dem Stadtteil im Herzen Wilhelmshavens.
Kein Wunder: Die Parkanlage in Rüstringer Stadtpark nimmt beinahe ein Viertel des Stadtteils ein. Einen weiteren großen Anteil hat der Kleingartenverein „Wochenend“ am Totenweg. Doch auch das Sportforum sowie die IGS und Jade Hochschule sind in dem Stadtteil zu finden.
Doch zurück zum Park: Vor etwas mehr als 100 Jahren ist der Forst künstlich auf Marschland angelegt worden. Wahrscheinlich kennt niemand diesen so gut wie Conny Perschmann. Die Diplombiologin wohnt seit mehr als 30 Jahren in Wilhelmshaven und hat vor 20 Jahren das Unternehmen „Grün&Bunt“ gegründet. Sie bietet Naturerlebnisse für alle Altersklassen an. Seit fünf Jahren macht sie das in der alten Wiemkerei, die ist eine alte Warft ist. Bis 2014 stand auf dem Gelände noch ein Haus – heute ist dort der Bauwagen von „Grün&Bunt“ zuhause.
Bei einem Spaziergang durch den Stadtpark erzählt Perschmann, dass dieser „Corona sei Dank“ durchgehend sehr belebt sei: „Es gibt immer Leute, die hier durch den Park rennen, das ist ja auch die Laufstrecke überhaupt“. Im Sommer sei dort der Bär los. Besonders das Bootshaus ist dann ein beliebter Treffpunkt für Sportler, Tretbootfahrer und Besucher des Biergartens.
Von dort aus zieht sich der Stadtparkkanal gradlinig durch die gesamte Anlage. Ganz im Osten verläuft der Graben an der Stadtgärtnerei vorbei, dahinter befindet sich das Rosarium – ein deutschlandweit anerkannter Rosenstandort – und der Botanische Garten.
In der Mitte des Parks trifft der Kanal auf den Ehrenfriedhof, eine Begräbnisstätte für Gefallene des ersten und zweiten Weltkrieges.
Lediglich am Grundstück der Wiemkerei wird der gradlinige Verlauf des Grabens einmal gestört. Als der Park einst geplant wurde, weigerte sich der damalige Besitzer, Teile seines Grundstücks an die Stadt zu verkaufen. Migge musste also drum herum planen, um den Kanal bis in den Westen des Park zu bauen.
Dort befindet sich der Rosenhügel – auf dem wachsen allerdings schon lange keine Rosen mehr. Direkt nebenan liegt der Nonnengarten. In der Nachkriegszeit sind Nonnen aus dem St. Willehad-Hospital täglich mit dem Fahrrad hergefahren, um Obst und Gemüse anzupflanzen.
Zwar habe sich die Rahmenstruktur des Parks kaum verändert. Der Baumbestand hingegen schon. „Das hier ist ein ganz besonderer Schatz“, sagt Conny Perschmann, während sie eine rote Beere von einem Baum pflückt, „eine Eibe“. Davon gibt es im Park einige Exemplare. Das sei etwas Besonderes. An den Wegesrändern wurden Eiben überall in Europa weggeschnitten, weil der Hauptteil des Baumes sehr giftig ist – nur der rote Mantel der Frucht nicht.
Wir verabschieden uns von Conny Perschmann und ziehen weiter bis zum Totenweg. Dort wartet schon Kay Engel mit Angelika Mieglitz und Birgitt Ockenga auf uns. Die beiden Frauen leben in der Wohnstätte „Stadtpark“ der Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit (GPS) am Totenweg. Die 23 Einwohner mit Behinderung des Hauses machen einen Großteil der Einwohner des gesamten Stadtteils aus.
Wir starten unseren kleinen Rundgang über das Gelände des Kleingartenvereins „Wochenend“, das direkt nebenan beginnt. Die Bewohner profitieren davon. „Neulich haben wir ganz viele Äpfel geschenkt bekommen“, erzählt Ockenga. „Dann haben wir Apfelkuchen gebacken und Apfelmus gekocht.“
Auch einige Mitarbeiter der Wohnstätte haben einen Garten in dem Verein. „Sie laden uns manchmal zum Grillen zu sich ein. Das ist bei unseren Bewohnern sehr beliebt“, erzählt Einrichtungsleiter Engel. Dass die Wohnstätte von so viel Grün und den Gärten umgeben ist, ist ein Glücksfall. „Viele Bewohner können sich nicht allein im Verkehr bewegen“, erklärt Engel. Ockenga hingegen kann das. Mit ihrem elektrischen Rollstuhl fährt sie auch alleine zum Einkaufen. Zu ihrem Stadtteil sagt sie: „Hier ist es schön.“
