Wilhelmshaven - Fast ein Viertel der in Wilhelmshaven lebenden Menschen haben einen Migrationshintergund, zehn Prozent sind Ausländer. Vor diesem Hintergrund schrieb die Stadtverwaltung das Integrationskonzept aus dem Jahr 2011 fort und brachte es mit den Erfahrungen der großen Zuwanderung ab 2015 auf den neuen Stand. Fazit: Vieles in der Integrationsarbeit läuft gut, dennoch gibt es an manchen Stellen dringenden Handlungsbedarf.
In einer ersten Lesung beschäftigte sich jetzt der Jugendhilfeausschuss des Rates unter Vorsitz von Ratsherr Dr. Günther Schulte (FDP) mit dem über 80-seitigen Konzept. Dass die Fleißarbeit des Leiters des Migrationsbüros, Rainer Päsler, erst mit der Einladung verschickt wurde, kritisierten einige Ratsmitglieder als zu kurzfristig für eine vernünftige Befassung.
Andreas Leonhard, Abteilungsleiter Beratung, Migration, Prävention im Jugendamt, erläuterte das Papier, das detailliert beschreibt, vor welche Herausforerung die kommunale Verwaltung, kooperierende Sozialarbeits-Träger wie die Kirchen etc.. aber auch das Ehrenamt gestellt sind. Ratsfrau Christina Heide lobte es wegen seiner menschenfreundlichen Haltung, die aus ihm spreche. Andreas Koût fand es gut, dass die Verwaltung bei der Neufassung sämtliche mit Integration befassten Einrichtungen einbezogen habe.
Das Handlungskonzept vermittelt einen guten Überblick über den Stand der Integrationsarbeit. Der Entwurf, der voraussichtlich im Frühjahr vom Rat verabschiedet werden soll, ist auf der Internetseite der Stadt einsehbar. Die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund stieg von 13 046 im Jahr 2011 auf 18 273 im Jahr 2018, die Zahl der Ausländer im selben Zeitraum von 4281 auf 8216, wobei die Zahl der Einwohner sich konstant um 79 000 bewegte.
Die Top Ten der Herkunftsländer sind Syrien (1465), ungeklärt (1196), Polen (594), Irak (467), Türkei (468), Griechenland (423), Rumänien (410), Bulgarien (238), Serbien (190) und China (164). Von den 658 Geburten im Jahr 2018 entfielen 131 (20 Prozent) auf Kinder mit ausländischer Staatangehörigkeit.
Wohnen im Stadtteil (Brennpunkte sind Bant, Südstadt, Tonndeich), Beratung und Unterstützung, Bildung, Arbeit, Aktive Stadtgesellschaft und Interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung sind die Handlungsfelder, die das Konzept definiert. Wie auch in der Diskussion deutlich wurde, fehlt es an Lehr-, Betreuungs- und Beratungskapazitäten vom Kindergarten über Schulen bis hin zur beruflichen Eingliederung, aber auch an einer zentralen Anlauf- und Kümmerstelle in Stadtverwaltung und Jobcenter. Auch fehlen Integrationslotsen.
