Wilhelmshaven - Morgen wird die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ feierlich in Dienst gestellt. Sie macht als letzte Einheit das Quartett der „Baden-Württemberg“-Klasse endlich komplett. An Bord ist derzeit die Besatzung F 125 „Charlie“, ihr Kommandant ist Fregattenkapitän Stefan Rappelt (44). Die „Charlie“ wird mit der „Rheinland-Pfalz“ nach der „Nordrhein-Westfalen“ im Juni 2020 bereits das zweite Schiff dieser Klasse in den Dienst der Deutschen Marine stellen.
„Sie schließt damit gleichzeitig auch die Phase der Einführung und Erprobung dieser neuen Schiffsklasse ab“, sagt Rappelt. „Deshalb freut sich die Besatzung über diesen Erfolg für die Deutsche Marine und über die kommenden Aufgaben an Bord des neusten Schiffs der Marine.“
Die vier Fregatten der „Baden-Württemberg“-Klasse lösen die Anforderung, global und langandauernd im Einsatz bleiben zu können, durch neue technische und organisatorische Konzepte.Für eine Intensivnutzung gedacht, kann sie mit 5000 Betriebsstunden bis zu zwei Jahre durchgängig unabhängig vom Heimathafen operieren. Der Abstand zwischen den Inspektionen für diese Kriegsschiffe liegt planmäßig bei fünf Jahren und acht Monaten. Das ist nahezu eine Verdopplung der Einsatzzeit und eine Vervierfachung der Wartungsintervalle gegenüber den bisherigen Fregatten der Marine. Weniger Wartungs-Anforderungen, kombiniert mit Automatisierung und Digitalisierung an Bord, machen es möglich, die Besatzungsstärke auf 126 Soldatinnen und Soldaten (plus 30 vom Seebataillon) zu reduzieren. Mehrere 125er-Crews sollen sich dann während eines längeren Einsatzes alle vier Monate ablösen. In diesem Mehrbesatzungskonzept sind bislang acht Besatzungen („Alpha“ bis „Hotel“) für die vier Schiffe der Klasse vorgesehen.
Die Kiellegung der vierten Fregatte F 125 erfolgte am 29. Januar 2015 in Wolgast. Und als am 24. Mai 2017 Malu Dreyer als Ministerpräsidentin des Patenlandes Rheinland-Pfalz das neue Schiff in Hamburg bei Blohm+Voss auf den Namen „Rheinland-Pfalz“ taufte, war Olaf Scholz noch Erster Bürgermeister der Hansestadt.
Wie sehr sich die sicherheitspolitische Lage seitdem verschärft hat, wird auch an der damaligen Aussage der Ministerpräsidentin deutlich: „Die Taufe der neuen Fregatte ,Rheinland-Pfalz‘ verbinde ich mit dem Wunsch und der Hoffnung, dass es vor allem Friedensmissionen und humanitäre Einsätze sein werden, die ‚unser‘ Schiff herausfordern werden.“ Die tatsächlichen Herausforderungen sehen anders aus.
Zurück zum Rückblick: Die Werftprobefahrt der jüngsten deutschen Fregatte fand im Juni 2019 statt, der kleine Flaggenwechsel folgte am 13. Mai 2020. Damit übergab seinerzeit der zivile Werftkapitän die Verantwortung an den militärischen Schiffsführer. Mit der anschließenden Überführung nach Wilhelmshaven hatten alle vier Einheiten der F 125 ihren Heimatstützpunkt in Wilhelmshaven erreicht.
Aus der Planung, die Fregatte mit der Rumpfnummer F 225 im Frühjahr 2020 an das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) zu übergeben, wurde nichts. Erst am 28. Januar dieses Jahres übernahm das Beschaffungsamt die vierte Einheit der Klasse von der Arge F 125.
Die vier Fregatten gehören zum 4. Fregattengeschwader. Dessen Kommandeur, Kapitän zur See Dirk Jacobus (53), erklärt, warum die Indienststellung der „Rheinland-Pfalz“ so wichtig ist: „Mit der Übernahme der letzten F 125 in die Marine gewinnen wir ein zusätzliches Mittel zur zielgerichteten Ausbildung all unserer Besatzungen. Ich hoffe, dass wir das bei den für weitere Tests erforderlichen Seefahrtsvorhaben unterbekommen.“
Der von Grund auf neu konzipierte Fregattentyp war aus den deutschen Einsatzerfahrungen der vergangenen Jahrzehnte entstanden – und ist vor allem für Stabilisierungseinsätze ausgelegt. Zum Aufgabenspektrum dieser Schiffe gehört laut Marine die Seeraumüberwachung in Krisenregionen weltweit und die Unterstützung von Spezialkräften von See her.
