Wilhelmshaven - Unser aller Wohlstand ist von der uneingeschränkten Nutzung der globalen Seewege abhängig. Die Zuverlässigkeit des Imports von Rohstoffen und des Exports von Gütern stellt unter anderem die Marine mit ihren schwimmenden und fliegenden Einheiten sicher. Als Instrument des Berliner Parlaments operieren die Seestreitkräfte dabei in der Regel gemeinsam mit Marinen verbündeter Nationen. Zur Auftragserfüllung sind einsatzfähige Schiffe und Besatzung erforderlich.Ziel für erste F 125
„Unser Ziel ist klar: Mitte 2023 soll die ,Baden-Württemberg‘ ihre technische Einsatzreife haben.“ Kapitän zur See Dirk Jacobus ist zuversichtlich, dass die erste ihrer Klasse dann auch mit einer einsatzklaren Besatzung in ihren ersten Einsatz starten wird. „Zurzeit haben wir drei Besatzungen mit erfolgreicher Einsatzausbildung. Und selbstverständlich soll das Schiff dann auch seine Intensivnutzbarkeit über einen Zeitraum von zwei Jahren unter Beweis stellen“, so der Kommandeur des 4. Fregattengeschwaders.
Drei von vier Schiffen der Klasse F 125 sind bereits in Dienst gestellt. „Die Rheinland-Pfalz soll als viertes Mitte Juli folgen. Dann steht die erforderliche Ertüchtigung der Anlage für Elektronischen Kampf vor dem Abschluss und die Eloka-Anlage entspricht dann dem geforderten Standard. Diese Arbeiten folgen anschließend bei den drei Schwesterschiffen.“
Seit fast fünf Jahren ist der 52-Jährige nun auf seinem Posten – und begleitet damit das Projekt F 125 mit all seinen Höhen und Tiefen wie kaum ein anderer. „Man darf ja nie vergessen, dass sowohl die Marine als auch die Industrie mit diesen Fregatten technisch und organisatorisch Neuland betreten haben“, sagt Jacobus. Da sei es nicht überraschend, wenn es dann auch mal an mehreren Stellen hakt.Eng verzahnte Planung
„Alle Beteiligten sind in einen eng getakteten Ablaufplan für die vier Einheiten eingebunden, alles ist miteinander verzahnt. Dabei sind technische Erprobungen, Prüffristen und Werftliegezeiten ebenso zu berücksichtigen wie unerlässliche Ausbildungsabschnitte für die Besatzungen der Schiffe“, erklärt der Kommandeur. Das sei jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. „Fällt zum Beispiel eine geplante Seefahrt bei einem der Schiffe aus, hat das meist direkt Auswirkungen auf technische Abnahmen oder wichtige Ausbildungsabschnitte beim gesamten Vorhaben.“
Die „Baden-Württemberg“ war im Juni 2021 verspätet in die erste Instandsetzung gegangen. Insgesamt gebe es nun 36 Wochen Verzögerung. „Beim ersten Schiff der Klasse blieben Überraschungen eben nicht aus, außerdem war vieles noch nicht eingespielt“, so Jacobus. Dazu kamen coronabedingte Lieferverzögerungen und Ausfälle sowie Sturmschäden. „Anfang Juli soll sie nun die Bredo-Werft in Bremerhaven zur Probefahrt verlassen.“
Das zweite Schiff der Klasse, die „Nordrhein-Westfalen“, muss noch bis September auf seine erste Werftphase warten. Es wird bis dahin noch für Ausbildungsfahrten genutzt. Die Fregatte „Sachsen-Anhalt“ durchläuft aktuell ihre Gewährleistungsliegezeit in der Hamburger Werft.
