Wilhelmshaven - Corona ist nun schon wochenlang unser täglicher Begleiter. Ob im Rundfunk, in den Nachrichten, den sozialen Netzwerken – nicht nur medial ist das Virus ständig präsent. Geprägt von den Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen ist auch unser Alltagsleben seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein anderes geworden.

Freunde und Familie kann man nur noch über Videotelefonat wirklich sehen, Sport und Freizeitaktivitäten fallen weg und auch die Schule läuft nun anders ab als gewohnt. Urlaube müssen gecancelt, der Konzertbesuch verschoben oder abgesagt werden.

Keine Frage – Corona hat unser Leben ganz schön durcheinandergebracht. Aber wie geht man mit solchen Veränderungen um? Was für Ängste und Sorgen kommen dabei auf? Jugendliche aus Wilhelmshaven und Umgebung sind sich in einem Punkt einig: Das Coronavirus stellt gemeinsam mit den notwendigen Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen einen großen Einschnitt in ihren gewohnten Alltag dar.

„Ich wurde sozusagen von einem Tag auf den anderen aus der Schule gerissen“, sagt Isabelle Speulda. Die neunzehnjährige Oberstufenschülerin der IGS Wilhelmshaven schreibt gerade ihr Abitur und empfand die Situation der letzten Wochen in Hinblick auf ihre Prüfungsvorbereitungen als ungewohnt und auch ein wenig beängstigend.

Die Angst, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, sei sehr groß, denn so unmittelbar vor dem Abitur käme sowohl die Infektion an sich als auch eine zweiwöchige Quarantänezeit denkbar ungünstig. Daher habe sie sich sehr genau an die bestehenden Vorschriften gehalten und ihre Kontakte zu Personen außerhalb ihres eigenen Haushalts auf ein Minimum beschränkt.


„Natürlich vermisse ich meine Freunde sehr, aber es muss ja sein“, so Isabelle Speulda. „Aber immerhin kann ich sie durch Videoanrufe noch sehen. Das ist ja schon etwas.“

Ähnlich geht es Laura Hiller: Die Achtzehnjährige nutzt ebenfalls die Möglichkeit, täglich per Videochat mit ihren Freunden zu telefonieren. So könne man zumindest einen regelmäßigen Kontakt aufrechterhalten. „Nicht selten dauern solche Telefonate länger als eine Stunde. Man hat sich nun einmal viel zu sagen“, erzählt sie. Außerdem helfe der virtuelle Kontakt dabei, auch über etwas anderes als Corona sprechen und die ernste Lage einmal für einen kurzen Moment verdrängen zu können.

Konkrete Angst vor dem Virus hat Laura Hiller keine. „Angst ist hier fehl am Platz“, meint die Oberstufenschülerin und ergänzt: „Alle müssen mitziehen und sich an den Maßnahmen orientieren – Stichwort Fremdschutz. Jeder muss an jeden denken.“

Dann könne man hoffentlich auch bald wieder Schritt für Schritt in den gewohnten Alltag zurückkehren. Und bis dahin bleibe eben genügend Zeit, um sich um liegen gebliebene Dinge zu kümmern, sagt Laura Hiller: Trotz des Online-Unterrichts habe sie „viel zu viel Freizeit“, weil das Schwimmtraining durch den Virus nicht stattfinden könne.

Immerhin sei sie ansonsten bis zu sieben Stunden in der Woche im Wasser anzutreffen und besuche zudem regelmäßig das Fitnessstudio. „Das ist schon ungewohnt. Auf einmal fehlt die ganze Trainingsintensität, die der Körper ja schon lange kennt“, sagt Laura Hiller.

Die geschlossenen Schwimmbäder beschäftigen auch Renke Röben, der ebenso wie Laura Hiller für die SG Wilhelmshaven startet. Genauso sehr wie das Training mit dem Team vermisst er aber auch die Wettkämpfe, die im Frühjahr angestanden hätten: „Leider mussten auch die Bezirksmeisterschaften in Osnabrück und die Landesmeisterschaften in Hannover ausfallen. Dabei haben wir alle so hart trainiert dafür“, ärgert er sich.

Als Alternative absolviert Renke Röben mehrmals in der Woche ein Fitnessprogramm oder geht mit dem Familienhund Pelle joggen. Und auch die Schule lässt nicht auf sich warten – regelmäßig kommen Aufgaben von Lehrern, die er dann Zuhause abarbeitet.

„Zum Teil habe ich die Hausaufgaben mit meinem Freund über einen Videoanruf gemacht. Das gab es vorher noch nie“, sagt der Elfjährige. Dennoch käme hin und wieder Langeweile auf, aber er weiß sich zu helfen: Mit seinen Eltern spielt er Spiele, vor allem Rommé. Außerdem mache ihm die Gartenarbeit riesigen Spaß.

Dass der Garten in diesen Zeiten eine wahre Oase sein kann, sieht auch Annika König so. „Es hilft gegen das beklemmende Gefühl, eingesperrt zu sein“, sagt die Schülerin, die das NGW besucht. Auch die Langeweile halte sich im Grünen eher in Grenzen als im Haus.

Tatsächlich bleibe ihr gar nicht so viel Zeit, um sich zu langweilen. Durch den Online-Unterricht bekomme sie via E-Mail viele Schulaufgaben, deren Ergebnisse sie alle bis zu einem bestimmten Datum zurückschicken müsse. Das System gefalle ihr ganz gut, weil sie so auch eine Rückmeldung von ihren Lehrern erhalten könne.

„Diese etwas andere Form von Unterricht erinnert mich aber auch immer wieder daran, dass die Situation eine sehr ungewöhnliche ist“, so die Sechzehnjährige. Für sie sei an den Viren vor allem so beunruhigend, dass man nicht mit Sicherheit sagen könne, ob man mit ihnen bereits in Kontakt geraten sei.

„Es ist ein bisschen wie eine unsichtbare Bedrohung“, sagt Annika König: „Das macht schon etwas mit dem Menschen, vor allem in der Öffentlichkeit. Ich wünsche mir sehr, dass es mit Hilfe der Lockerungen Schritt für Schritt wieder möglich wird, zum gewohnten Rhythmus zurückzukehren.“