Wilhelmshaven - Sichere Seewege, für eine Handelsnation wie Deutschland unerlässlich, wurden lange Zeit nur weit entfernt von Europa durch Piraten bedroht. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine aber hat die Gefahr quasi zurück vor unsere Haustür verlagert. Gut, dass sich die sieben Schiffe des 2. Fregattengeschwaders ideal für das Kontrollieren großer Seegebiete, den Geleitschutz für zivile Schiffe sowie den Kampf gegen Kriegsschiffe über Wasser, Luftziele und die Uboot-Jagd eignen.

Das Geschwader

Das 2. Fregattengeschwader wurde am 1. Oktober 1988 in Wilhelmshaven aufgestellt. Seit Januar 2006 unterstehen die drei Fregatten der „Sachsen“-Klasse (F 124) und die vier Fregatten der „Brandenburg“-Klasse (F 123) dem Geschader.

Die Schiffe der „Sachsen“-Klasse sind als Mehrzweckfregatten besonders geeignet für den Geleitschutz, zur weiträumigen Luftraumüberwachung und zur Verbandsflugabwehr.

Die Schiffe der „Brandenburg“-Klasse sind vor allem für die Ubootjagd und die Führung eines Verbandes optimiert.

Kapitän zur See Torben Jürgensen (46) führt das 2. Fregattengeschwader seit 1. Oktober 2021. Er lebt mit seiner Familie in Oldenburg.

Ihr Kommandeur ist Kapitän zur See Torben Jürgensen. Der 46-Jährige gibt einen Überblick über „seine“ Fregatten und Ausblick auf anstehende Modernisierungen. Diese werden aus den vier Einheiten der „Brandenburg“- Klasse quasi neue Schiffe machen, verrät er. So soll diese Klasse bis Mitte der 2030er Jahre den hohen Anforderungen an moderne Seekriegsführung gerecht werden. Modernisierte F 123

„Wir starten das Projekt mit der ,Schleswig-Holstein‘, die wir dazu im November 2022 für gut zwei Jahre aus der Fahrbereitschaft nehmen“, sagt Jürgensen. „In Emden wird das Schiff unter dem Hauptauftragnehmer Saab ein neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem (Combat Management System/CMS), neue Radaranlagen und neue Waffen erhalten. Von den bisherigen bleiben nur die RAM-Flugkörperstarter und die Täuschkörperwurfanlage MASS erhalten.“ Der 46-Jährige setzt große Hoffnung in das System von Saab: „Das CMS 9LV hat sich in anderen Marine bestens bewährt und ist so ausgelegt, dass es ein schwedischer Wehrpflichtiger nach zwei Wochen Lehrgang bedienen kann.“

Alle Beteiligten müssten dem Auftragnehmer im Projekt die nötige Unterstützung, sonst aber weitestgehend freie Hand lassen, so seine Idealvorstellung. Nach Abschluss der umfassenden Modernisierung werden nach und nach die anderen drei Schiffe folgen.

Die „Brandenburg“ durchläuft gerade bis Frühjahr 2023 ihre Depotinstandsetzung in der Neue Jadewerft, die einsatzklare „Mecklenburg-Vorpommern“ sichert als Teil des maritimen Nato-Einsatzverbandes den Nordflankenraum und die „Bayern“ muss nach dem langen Indo-Pazifik-Törn im Herbst in eine außerplanmäßige Werftliegezeit.Laser für „Sachsen“


Die geplanten Modernisierungen auf den drei Einheiten der „Sachsen“-Klasse werden im Vergleich bescheiden ausfallen, versichert Jürgensen. Sie erhalten neue Weitbereichsradare zur Luft- und Seeraumüberwachung sowie neue Flugkörper zur Seezielbekämpfung.

„Aktuell hat die ,Sachsen‘ gerade erfolgreich Nahbereichs-Flugkörper vom Typ RAM geschossen. Nach der Teilnahme am Manöver ,Baltops‘ wird sie in Kiel den angekündigten Laser-Demonstrator von Rheinmetall an Bord bekommen und anschließend ausgiebig testen.“ Außerdem werde sie in diesem Jahr Offizieranwärter zur Ausbildung an Bord nehmen. „Für mich ist das außerordentlich wichtig. Wir müssen die Nachwuchskräfte so früh wie möglich in Bordgemeinschaften integrieren und für die Seefahrt begeistern!“, sagt Torben Jürgensen. Gefordert wird ab nächste Woche die Besatzung der „Hessen“ bei der abschließenden Einsatzausbildung GOST im britischen Plymouth. Die „Hamburg“ ist seit Kurzem zur Instandsetzung im Marinearsenal und wird erst Ende 2023 wieder in Fahrt kommen.

Michael Halama
Michael Halama Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung