Wilhelmshaven - Die Stieftochter von Wilfried Schmidt flieht Anfang März vor dem Krieg in der Ukraine nach Wilhelmshaven zu ihrer Mutter, mit der Schmidt verheiratet ist. Doch noch immer wartet die Familie auf die Erstattung der Mietkosten für die ersten drei Monate. Nur ein kulanter Vermieter hat die sie vor weiteren Kosten bewahrt.
„Wir haben alle Unterlagen fristgerecht eingereicht“, erklärt Schmidt. In den Monaten März bis Mai sei das Sozialamt für seine Stieftochter, die mit ihren zwei Kindern nach Deutschland gekommen ist, zuständig. Denn wer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bezogen und eine Wohnung angemietet hat, bekommt die Kosten der Unterkunft erstattet.
Die ganze Familie sei froh darüber, dass der Vermieter so kulant und sozial eingestellt sei. „Es geht hier immerhin um drei Monatsmieten“, sagt Wilfried Schmidt. Weil das Sozialamt keine Auskunft an Dritte weiter gibt, hat Schmidt bisher keine Informationen erhalten können. „Weder per Mail noch telefonisch kriege ich irgendeine Auskunft, das ist natürlich auch richtig, aber meine Stieftochter kann nicht selbst anrufen, sie spricht kein Deutsch.“
Nicht nur über die fehlende Miete ärgert sich Schmidt, auch über die harschen Antworten, die das Sozialamt ihm am Telefon auf seine Nachfrage hin gegeben habe. Er mag sich gar nicht ausmalen, wie es für Geflüchtete sein muss, die keinen richtigen Ansprechpartner hier vor Ort haben. „Es funktioniert eben nicht alles mit Übersetzungsprogrammen, ich habe ihr bei jedem einzelnen Formular geholfen.“
Die Stadt Wilhelmshaven erklärt auf Anfrage, es seien keine Fälle bekannt, in denen es einen Mietrückstand gebe. Innerhalb weniger Tage seien die Fälle von Mitarbeitern bearbeitet worden, erklärt Stadtsprecherin Julia Muth. Sollte es allerdings tatsächlich welche geben, in denen das Geld nicht überwiesen wurde, solle sich der Mieter umgehend an das Sozialamt wenden, so Muth.
Für Wilfried Schmidt passt da etwas nicht zusammen, er habe von anderen Familien gehört, dass dort ebenfalls noch kein Geld angekommen sei. Die anfängliche Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen aus der Ukraine kehre sich aktuell um, findet Schmidt. Viele würden von Anfeindungen und großen Schwierigkeiten berichten.
