Wilhelmshaven - Menschen, die an Demenz erkrankt sind, erleben die eigene Situation oft als bedrohlich. Die Realität ist für sie chaotisch. Umso wichtiger seien für sie Ankerpunkte stellte Dr. Jürgen Brommer, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen, fest, als er der Alzheimer Gesellschaft Wilhelmshaven/Friesland zu ihrem 20-jährigen Bestehen gratulierte. Wichtig, so Brommer, sei aber auch, dass Angehörige Unterstützung durch Außenstehende bekämen.
Es waren vor allem pflegende Angehörige, die sich vor 20 Jahren zusammenschlossen und damit die Alzheimer Gesellschaft Wilhelmshaven/Friesland auf den Weg brachten. Am Ort der ersten Zusammenkunft, dem Fernsehzimmer des Seniorendomizils Lindenhof am Siedlerweg, wurde auch der Geburtstag gefeiert.
Und neben der Vorsitzenden Rosemarie Groß und anderen langjährigen Vorstandsmitgliedern waren auch noch andere Weggefährten zur Stelle, die der Selbsthilfegruppe seinerzeit Starthilfe gegeben hatten. Unter ihnen der damalige Leiter des Lindenhofs, Jörg Bleckwehl. Er erinnerte sich, dass schon in den 1980er Jahren Experten vor einem Kollaps in der Pflege im Jahr 2030 gewarnt hatten. Das habe ihn dazu bewogen, auf Selbsthilfe und Ehrenamt zu setzen. Allerdings seien auch innerhalb des Hauses Widerstände zu überwinden gewesen.
Auch der frühere AOK-Regionaldirektor Jürgen Tiedemann blickte zurück. Obwohl es keinen Finanztopf gab, waren er und der inzwischen verstorbene Präventionsleiter Horst-Diedrich Kraeft bereit, die Initiative zu unterstützen. Es gehe auch darum, der Region und den Menschen zu helfen.
Auch Bürgermeister Uwe Reese lobte den ehrenamtlichen Einsatz von Rosemarie Groß und ihren Mitstreitern. Das Motto der Geburtstagsfeier „20 Jahre und kein bisschen leiser“ nahm er als gutes Zeichen für weiteres Engagement.
Das würdigte auch Detlef Kasig, Geschäftsführer der Barmer in Wilhelmshaven. Selbsthilfegruppen im Gesundheitsbereich seien wichtig, weil Patienten auf diesem Weg ihre Kompetenz erhöhen, sich gegenseitig Kraft geben und den Alltag erleichtern. Zugleich bringen sie chronische Erkrankungen stärker ins öffentliche Bewusstsein.
Da gibt es aus Sicht der Alzheimer Gesellschaft auch bei Demenzerkrankungen noch einiges zu tun, auch wenn zu Beginn der Veranstaltung die heutigen Hausherrinnen Silke Warnecke und Rebecca Brekau, Bereichsleitung und Hausleitung der Hesena Seniorenresidenz gGmbh, für die vergangenen Jahrzehnte eine Veränderung zum Positiven festgestellt hatten. Heute werde sehr viel offener über die Erkrankung gesprochen.
Landesvorsitzender Dr. Jürgen Brommer machte deutlich, dass es beim Thema Inklusion auch um Demenzerkrankte geht. Es gelte, Menschen mit abweichendem Verhalten zu akzeptieren und ihnen Hilfen anzubieten.
Eine besondere Form der Hilfe gab es gleichsam als Geburtstagsgeschenk. Dank der NDR-Spendenaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ konnte Brommer auch im Namen des NDR einen neuen Transporter für die Betreuungruppen „MobiLe – Mobilität und Lebenslust“ übergeben.
