Wilhelmshaven - Vier Stunden lang haben am Mittwoch gleich drei Wilhelmshavener Ratsausschüsse in einer gemeinsamen Sondersitzung über die Zukunft der Stadthalle diskutiert. Die Verwaltung hatte sich dabei mächtig ins Zeug gelegt, den neuen Standortvorschlag am Pumpwerk ins rechte Licht zu rücken: So gab es einen Vortrag von Wilhelmshavens Wirtschaftsförderer, der zeigte, wie das Projekt zu finanzieren ist.
Christopher Rörig, Chefs der Beratungsfirma Bevenue, präsentierte eine Studie, die seine Firma erstellt hat und die zeigen sollte, dass Wilhelmshaven eine Stadthalle braucht und warum der Standort am Pumpwerk am besten ist. Und schließlich stellte der Architekt Thomas Ladehoff eine Idee vor, wie eine Stadthalle direkt am Ems-Jade-Kanal aussehen könnte mit vielen ansprechenden Visualisierungen und sogar einem kleinen Modell einer möglichen Halle, das im Ratssaal angesehen werden konnte.
Am Ende brachte der große Aufwand aber nicht das von der Verwaltung gewünschte Ergebnis, denn das Thema wurde von den Ausschüssen bis nach der Sommerpause vertagt. Nicht wenige Ausschussmitglieder fühlten sich von der Idee überrumpelt. Die Verwaltung hatte erst in der vergangenen Woche erstmals öffentlich über die Idee informiert – die Planungen laufen allerdings bereits seit Monaten. Obwohl am Ende keine Entscheidung fiel, brachte die Sitzung dennoch einige neue Erkenntnisse zum Projekt, und eine Ratsentscheidung Ende des Monats ist trotzdem noch möglich:
Kritik an der Verwaltung
Bereits vor der Sondersitzung hatte es Kritik daran gegeben, wie das Thema durch die Verwaltung vorbereitet worden ist. Der SPD Ortsverein West und GfW-Ratsherr Martin Burkhart hatten im Vorfeld die große Eile kritisiert und dass die Politik nicht ausreichend abgeholt worden sei. Die CDU-Fraktion hatte dagegen gehalten, dass das Thema einfach gut vorbereitet wurde.
In der Sitzung am Mittwoch spielte auch das eine große Rolle. Die Win@WBV-Fraktion hatte einen Fragenkatalog zum Projekt vorbereitet und Ratsherr Stefan Becker fragte, wie man plötzlich auf einen ganz neuen Standort gekommen ist. Stadtbaurat Nikša Marušić sagte, der Rat habe der Verwaltung im vergangenen Jahr den Auftrag erteilt, den besten Standort für eine Halle zu finden. Er habe den Auftrag nicht so verstanden, dass dafür nur die Standorte betrachtet werden dürfen, die vorher bereits im Gespräch waren. Auf die Kritik, warum nicht schon zu Jahresbeginn über die Pläne informiert worden ist, antwortete Oberbürgermeister Carsten Feist (parteilos), dass die Verwaltung noch nicht so weit war und man viele Fragen zu dem Zeitpunkt noch nicht hätte beantworten können. „Dann hätten Sie uns kritisiert, dass wir noch gar nichts haben“, so der Oberbürgermeister.
Finanzierung des Baus
Die Stadthalle soll zu 90 Prozent mit Fördergeldern aus den Kohleausstiegshilfen gebaut werden. Dieser insgesamt 157 Millionen Euro schwere Fond wird bis 2038 in drei Tranchen ausgezahlt und kann in bestimmte Projekte in der Region fließen. Der Neubau einer Stadthalle wäre ein förderfähiges Projekt. Wilhelmshavens Wirtschaftsförderer Alexander Leonhardt wies allerdings darauf hin, dass die erste Tranche von 62 Millionen bis zum Jahr 2026 verplant sein muss, sonst verfallen die Gelder. Gleichzeitig ist es auch möglich, auf Antrag Gelder aus der zweiten Tranche vorzuziehen und für Großprojekte wie eben eine Stadthalle mitzunutzen.
Eine Stadthalle für 3000 Gäste würde laut der Studie von Bevenue etwa 32 Millionen Euro kosten. Sollte es dabei bleiben, lägen die Kosten, die die Stadt selbst tragen muss, bei 3,2 Millionen Euro für den Bau.
Kleinteilige Architektur statt grauer Betonklotz: So stellt sich das Architekturbüro Ladehoff die Stadthalle vor mit Blick von der Jadeallee.
Finanzierung des Betriebs
Lange Diskussionen gab es um die Frage, ob sich Wilhelmshaven den Betrieb einer solchen Halle überhaupt leisten kann. Gutachter Rörig betonte, dass es deutschlandweit keine Stadthalle gäbe, die schwarze Zahlen schreibt. Man kann bei einer Halle der geplanten Größe normalerweise von einem Minus von etwa 700 000 Euro pro Jahr ausgehen. In Wilhelmshaven könne es durch den Standort am Pumpwerk am Ende etwas weniger Verlust geben, da durch Synergieeffekte mit dem Kulturzentrum die Kosten reduziert werden können.
Dr. Günter Schulte (FDP) kritisierte mehrfach, dass sich die Ausschüsse während der Sitzung immer wieder in Detailfragen verstrickten, die entweder erst zu einem viel späteren Zeitpunkt des Verfahrens geklärt werden können, oder bereits entschieden sind. Als die Frage diskutiert wurde, ob Wilhelmshaven überhaupt eine Stadthalle braucht, betonte er, dass das der Rat doch längst im vergangenen Dezember entschieden hätte. „Wenn Sie das nicht mehr wollen, müssen Sie eben beantragen, den Beschluss aufzuheben.“
Der erste Entwurf
Das Architekturbüro Ladehoff präsentierte mit einem Modell, wie sich eine Stadthalle in die Umgebung am Pumpwerk einfügen könnte. Dabei handelte es sich nicht um einen finalen Entwurf, sondern um eine Art Machbarkeitsstudie, auch um zu prüfen, ob die Fläche groß genug für eine Halle ist. Wie die Stadthalle tatsächlich aussehen soll, würde in einem Architektenwettbewerb entschieden werden.
Ladehoffs Modell gab allerdings einen Eindruck davon, wie sich das Gelände verändern würde. Zwischen Jadeallee und Halle gäbe es einen großen Vorplatz und eine Promenade entlang des Ems-Jade-Kanals mit Treppen zum Wasser – ähnlich wie man es vom Bontekai kennt. Halle und Pumpwerk wären mit einer Brücke verbunden – der Weg in den Pumpwerk-Park bliebe weiterhin frei. Die Halle solle zudem über eine Open-Air-Bühne an der Außenseite verfügen, die auch unabhängig von der Bühne in der Halle bespielt werden kann.
Die Halle selbst würde neusten Baustandards entsprechend so abgeschirmt sein, dass kein Lärm von Konzerten nach außen dringt und ist im Entwurf von Ladehoff mit einer Photovoltaikanlage und begrünten Dachflächen ausgestattet.
So sehe das Pumpwerk-Areal mit dem Entwurf des Architekturbüros Ladehoff von oben aus.
die Parksituation
Heftig diskutiert wurde im Vorfeld die Parksituation. Diese hat Ladehoff untersucht und kommt – wenn 300 neue Parkplätze beim Bau entstünden – auf 1620 Parkplätze, die fußläufig von der Halle entfernt sind. Dabei einbezogen wurde auch das Parkhaus an der Nordseepassage. Der Chef des Architekturbüros Thomas Ladehoff betonte allerdings, dass sein Entwurf keine Tiefgarage erhält, die allerdings selbstverständlich möglich wäre. Sollte eine solche Garage bei der Ausschreibung zum Architekturwettbewerb verlangt sein, ließe sich die Parkplatzkapazität noch deutlich erhöhen.
Wie es nun weitergeht
Auf Antrag von SPD-Ratsherr Norbert Brandt wurde das Thema auf die Zeit nach der Sommerpause vertagt. Die Abstimmung dazu fiel denkbar knapp mit zehn zu neun Ja-Stimmen aus. Brandt gab an, er bräuchte ein Stimmungsbild aus der Bevölkerung, um eine Entscheidung treffen zu können. Auch GfW-Ratsherr Burkhart betonte, dass die Bevölkerung besser informiert werden müsse. Dass die Ausschüsse vertagt haben, heißt aber nicht, dass der Rat das auch tun muss. Dieser könnte in seiner nächsten Sitzung am 28. Juni trotzdem über das Projekt entscheiden oder ebenfalls vertagen.
Modellentwurf: So könnte eine Stadthalle neben dem Pumpwerk von der anderen Seite des Ems-Jade-Kanals aussehen.
