Wilhelmshaven - Wenn Holger Grimm von der Wilhelmshavener Berufsfeuerwehr und sein Chef Josef Schun Ende des Monats ein letztes Mal das Impfzentrum für Impflinge aufschließen werden, dürfte das ein seltsames Gefühl für sie sein. Ein Dreivierteljahr herrschte teils Hochbetrieb an der Güterstraße. Jetzt werden die Zentren landesweit mit wenigen Ausnahmen geschlossen. So auch in Wilhelmshaven.
Impfzentrum wird Materiallager
„Spätestens in der kommenden Woche beginnt der Rückbau und der geordnete Übergang“, sagt Schun, der als Chef der Berufsfeuerwehr und organisatorischer Leiter seit der ersten Stunde dabei ist. Ab Oktober sollen dann insbesondere die Hausärzte alle Impfungen übernehmen – und bei Bedarf zwei mobile Impfteams unter dem Dach des Gesundheitsamtes. Diese Teams kommen aber nur zum Einsatz, wenn die Hausärzte bei den Impfungen an ihre Kapazitätsgrenze kommen, stellt Wilhelmshavens Amtsarzt Christof Rübsamen klar.
Noch aber läuft der Betrieb normal weiter: Geimpft werde bis zum letzten Tag – und in bestimmten Fällen darüber hinaus, sagt Grimm als Teamleiter vor Ort: Betroffene des Impfskandals im Landkreis Friesland sollen noch bis spätestens 27. Oktober die Möglichkeit haben, sich in Wilhelmshaven erneut impfen zu lassen. Dafür bleibt eine Impfstraße bestehen.
Parallel muss das Team aber schon mal Platz schaffen: Das Land Niedersachsen hat den ehemaligen Aldi-Markt an der Güterstraße als Lager ausgewählt, will dort Material aus anderen Impfzentren unterbringen. Mitarbeiter des Impfzentrums werden bei der Logistik unterstützen.
Hohe Impfquote erreicht
Oberbürgermeister Carsten Feist nutzte jetzt schon mal die Gelegenheit, um dem Team auf die Schultern zu klopfen. Ihre herausragende Arbeit habe einen großen Beitrag zur hohen Impfquote in Wilhelmshaven geleistet. Bei den Erstimpfungen liegt sie bei 82 Prozent, darin enthalten sind die Impfungen durch Hausärzte – laut Feist ein landesweiter Spitzenwert. Dabei seien die Impfungen durch Betriebsärzte sowie die Zahl der Genesenen mit Blick auf eine Immunisierungsquote nicht einmal berücksichtigt.
„Impfzentrum und Hausärzte arbeiten Hand in Hand, unterstützen sich gegenseitig“, weiß Klaus-Peter Schaps, selbst Hausarzt und zudem ärztlicher Leiter des Impfzentrums. Seine Beobachtung: Die 3G-Regelung und die Aussicht, dass Schnelltests künftig selbst bezahlt werden müssten, hätten Impfungen nochmals einen Schub gegeben.
Entwarnung will der Mediziner aber keinesfalls geben, das Gesundheitsamt ebenfalls nicht. „Wir haben weiterhin eine bestimmte Zahl von Menschen, die gar nicht geimpft ist“, sagt Rübsamen. Deshalb gebe es Überlegungen für niederschwellige Impfangebote nach Schließung des Impfzentrums, die diese Personengruppen erreichen sollen.
Ungeimpfte in Klinik eingeliefert
Wie wichtig ein Impfschutz ist, zeige sich bei den aktuellen Corona-Fällen. In Wilhelmshaven sind derzeit 142 Menschen mit dem Sars-Cov-2-Virus infiziert. Sechs der Betroffenen werden im Krankenhaus behandelt – allesamt ungeimpft. Davon müssten zwei auf der Intensivstation behandelt werden, sagt Rübsamen. Zwar verzeichne das Gesundheitsamt auch sogenannte Impfdurchbrüche, die Betroffenen seien aber symptomlos. Noch etwas stellt das Gesundheitsamt fest: Insbesondere bei älteren geimpften Patienten, die mit Erkältungssymptomen oder einer Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert wurden, habe sich der Verdacht auf eine Infektion nicht bestätigt.
Vorgehen bei Auffrischimpfungen
Hintergrund sind die Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz im August: Danach sollen Personen mit einem besonders hohen Infektionsrisiko eine Auffrischungsimpfung erhalten, wenn diese mindestens vor sechs Monaten vollständig geimpft worden sind. Dazu gehören Pflegebedürftige und Personen ab 80 Jahren sowie immungeschwächte Menschen. Personen, die mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden oder bereits eine Corona-Erkrankung durchgemacht haben, sollen ebenfalls eine Auffrischung mit „Moderna“ oder „BioNTech“ erhalten.
Das Gesundheitsamt ist zuversichtlich, dass die Hausärzte die Auffrischimpfungen auch in den Pflegeeinrichtungen alleine bewältigen können. Ob zusätzlich mobile Impfteams zum Einsatz kommen müssen, werde aber noch geprüft, so Rübsamen.
