Wilhelmshaven - Das lange Warten hat ein Ende. Diesen Tag haben die Mitarbeiter und Beschäftigten der GPS-Werkstatt an der Planckstraße in Wilhelmshaven ersehnt. „Es wurde Zeit, dass wir endlich wieder öffnen dürfen. Das Betretungsverbot hat schon ziemlich an den Nerven genagt“, sagt ein sichtlich erleichterter Jan Geerts. Der 41-Jährige ist seit Oktober vergangenen Jahres Einrichtungsleiter und weiß, welch große Herausforderung nicht nur die vergangenen rund drei Monate für alle Beteiligten waren, sondern auch die jetzt bevorstehende Phase ist.
Zunächst Stillstand
Von einem Tag auf den anderen kam es aufgrund der Corona-Pandemie zum Stillstand. Alle rund 310 Beschäftigten, so werden die Menschen mit Einschränkungen in der Werkstatt genannt, mussten fortan zu Hause bleiben – in ihrer eigenen Wohnung oder in den Wohneinrichtungen der GPS. „Das bedeutete für uns einen enormen organisatorischen Personalaufwand. Mitarbeiter aus den Werkstätten sind mit in die Einrichtungen gegangen, um die dortigen Kollegen bei der Betreuung zu unterstützen“, so Geerts weiter. Hinzu kam, dass niemand auf der Strecke bleiben sollte. Entsprechend viele Telefonate wurden geführt, damit die Isolierung nicht zu groß wird.
Es geht wieder los
Seit vergangenem Dienstag dürfen die Werkstätten wieder zum Arbeiten genutzt werden. „Aktuell dürfen bis zu 50 Prozent der eigentlichen Plätze in der Werkstatt besetzt werden. In der ersten Woche haben wir es aber noch geringer gehalten und nur 25 Prozent der Beschäftigten – rund 60 Personen – aufgenommen“, so Geerts weiter. Für diese Woche seien im Vorfeld 150 Einladungen rausgegeben worden. „Die Beschäftigten dürfen selbst entscheiden, ob sie kommen, oder noch zu Hause bleiben möchten“, so der Leiter weiter.
Freude über Start
Dass ein Großteil allerdings froh ist, nach rund drei Monaten wieder arbeiten gehen zu können, zeigt sich am Beispiel von Heiko Frangen, Beisitzender im Werkstattrat und geprüfter Sicherheitsbeauftragter. „Ich war zunächst zwölf Wochen auf Kur, dann kurz wieder hier und anschließend wegen Corona 14 Wochen raus. Die Rückkehr war eine Erleichterung, zugleich aber auch ziemlich anstrengend“, erzählt er.
Einer der Glücklichen, die bereits ein wenig in den einstigen Alltag zurückkehren konnten, ist auch Fabian Krüßmann aus dem Bereich Hauswirtschaft. „Zu Hause war ich ganz alleine. Ich hatte zwar Kontakt zu meiner Mutter und auch mit Arbeitskollegen, aber ich bin zeitweise echt an die Decke gesprungen. Diese arbeitsfreie Zeit ist nichts für mich. Ich bin ein Arbeitstier“, sagt er. Entsprechend groß war seine Freude, als vergangene Woche das Telefon klingelte und er eingeladen wurde.
Noch läuft vieles auf Sparflamme in der GPS-Werkstatt, da man auch kein Risiko eingehen möchte. „Daher haben wir zunächst diejenigen zurückgeholt, die auch so relativ selbstständig unterwegs sind. Sie können dann Stück für Stück auch als Multiplikator dienen“, erklärt Jan Geerts.
Um allen gut 300 Beschäftigten zu ermöglichen, in die Werkstatt zurückzukehren, ist geplant, ab Ende Juni – sofern es keine weiteren Lockerungen seitens der Landesregierung gibt – , die Besetzung wöchentlich zu rotieren. Anders sei es derzeit nicht denkbar, so Geerts.
Für Ramona Bähr, Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (Gruppenleiterin), steht fest, dass viele die Beschäftigung benötigen. „Daher war es in den vergangenen Wochen um so wichtiger, dass unsere Fachkräfte mit in die Wohneinrichtungen gegangen sind und dort ebenfalls Arbeiten angeboten haben.
Lehrreiche Zeit
Wo es möglich war, wurden auch Vorrichtungen mitgebracht, damit die Arbeit teilweise weitergehen kann.“ Für sie waren die vergangenen Wochen sehr lehrreich: „Wir Mitarbeiter haben die Arbeit der Beschäftigten viel besser kennengelernt. Ich kann definitiv viel besser nachvollziehen, was sie hier täglich leisten – und das ist nicht ohne“, so Bähr.
Ohnehin seien alle Beteiligten in dieser Zeit viel enger zusammengerückt. „Jeder unterstützt, wo er nur kann. Gerade das Personal, das sich täglich um die Beschäftigten in den Wohneinrichtungen kümmert, hat viel geleistet“, sagt Jan Geerts. Mit Blick auf den Restart erklärt er, dass die größte Herausforderung darin bestehe, dass die Personengruppen homogen zusammen bleiben und jeder, der die Werkstatt betritt, die Hygieneregeln – wie Maskenpflicht und Abstand halten – beachtet.
Ursprünglich war für die Mitarbeiter im Mai eine Teambuilding-Maßnahme (Segeln) geplant gewesen, die aufgrund der Corona-Krise jedoch sprichwörtlich ins Wasser fiel. Für Ramona Bähr war das vermeintliche „Ersatzangebot“ eine gute Alternative. „Es war eine andere Form von Teambuilding – und auch deutlich länger und intensiver.“
Nun hoffen alle – Mitarbeiter und Beschäftigte, aber auch Kunden und Fahrdienstleister – dass der reguläre Betrieb bald wieder anläuft. Der erste Schritt ist jetzt zumindest schon einmal gemacht.
