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Modehaus Leffers Wenn die Kollektion im Laden bleibt

Gerd Abeldt

Wilhelmshaven - Was macht man in einem Kaufhaus, in dem niemand etwas kaufen kann? Die Antwort von Daniela Leffers kommt wie aus der Pistole geschossen. „Arbeiten, viel arbeiten. Vielleicht sogar mehr, als wenn wir geöffnet hätten.“

Das Modehaus Leffers gehört zu den ersten Adressen im Wilhelmshavener Einzelhandel. Im Zuge der Corona-Krise wurde das Leffers-Haupthaus in Wilhelmshaven samt Nebengeschäften einschließlich des Sporthauses am 17. März geschlossen. Ebenso das Schwesterhaus Petzhold in Münster. Insgesamt sind in dem mittelständischen Unternehmen rund 300 Mitarbeiter betroffen. Für die meisten haben die Geschäftsführer Daniela Leffers und Guido Schöttler Kurzarbeit angemeldet.

Für einen Teil der Belegschaft geht die Arbeit weiter. Kunden bestellen über den Online-Shop des Unternehmens Waren, die ihnen – ein besonderer Krisenservice – ohne Wertgrenze und ohne Aufpreis frei Haus geliefert werden. „Zudem sind wir Partner der Internet-Verkaufsplattform Zalando“, schildert Daniela Leffers. „Auch da geht der eine oder andere Artikel raus.“

Insgesamt sei die wirtschaftliche Lage schwierig, um nicht zu sagen dramatisch. „Der Onlineumsatz macht nur einen Bruchteil von dem aus, was wir sonst umsetzen würden. Bis Ende des Jahres erwarten wir einen Umsatzverlust von bis zu 50 Prozent. Unsere Fixkosten jenseits der Lohnkosten können wir höchstens um 10 Prozent senken.“

Hausinterne Konferenzen laufen über Videotelefonie

Wie hält man das aus? Genau diese Frage stellen sich die Geschäftsführer täglich. Zusammen mit den Führungskräften aus den verschiedenen Abteilungen würden derzeit eine Fülle von Themen erörtert. Welche Waren laufen noch? Wie müssen wir unsere Werbung umstellen? Wie sieht die Liquidität bis Ende das Jahres und darüber hinaus aus? Mit welchen Lieferanten kann man über Stornierungen sprechen? Was machen wir mit der unverkäuflichen Ware, die schon im Geschäft steht? Wie lassen sich Kosten senken? Sind Vermieter bereit, über die Miete zu reden? Was machen wir, wenn wir wieder öffnen dürfen? Fragen über Fragen, die Antworten brauchen.


Die Konferenzen, auch die hausinternen, laufen nach den Worten von Daniela Leffers ausnahmslos über Skype, ein Internet-Video-Telefondienst. „Wir wollen uns so wenig wie möglich begegnen, um die Ansteckungsgefahr mit Coronaviren so gering wie möglich zu halten.“

Trotz aller internen Maßnahmen befürchten die Geschäftsführer, dass die Krise ohne externe Hilfe nur schwer zu meistern sein wird. „Wir setzen darauf, dass die Bundesregierung ähnlich wie für die Kleinbetriebe auch für mittelgroße Unternehmen ein Hilfsprogramm auflegt. Derzeit bekommen wir nur Liquidität in Form von Krediten der KfW. Zuschüsse bekommen wir im Moment nicht.“

Dabei werden Kreditvergünstigungen allein nicht ausreichen. „Die Kredite müssen wir nachher ja wieder zurückzahlen. Und niemand weiß, wie sich die Umsätze nach der Krise entwickeln. Holen Kunden ihre jetzt nicht möglichen Anschaffungen später nach? Oder haben sie sich inzwischen bei anderen Anbietern im Internet eingekleidet, die nicht von den Ladenschließungen betroffen sind?

„Beim Kurzarbeitergeld haben wir von 60 auf 80 Prozent erhöht.“

Sicher ist nur, dass der Umsatz im Wilhelmshavener Einzelhandel von März und April nahezu vollständig ausgefallen ist. „Und das sind inzwischen unsere umsatzstärksten Monate“, schildert Daniela Leffers. Vom Weihnachtsgeschäft sei vieles in den vergangenen Jahren ins Internet abgewandert. Im Frühjahr aber kommen die Osterurlauber an die Küste – und zum Shoppen nach Wilhelmshaven.

Viel Energie hat Leffers-Geschäftsführung in den vergangenen Tagen darauf verwendet, die bereits vorhandenen Förderprogramme zu sichten und gegebenenfalls Anträge zu stellen, etwa für Kurzarbeitergeld (damit deckt die Bundesagentur für Arbeit einen Großteil der Lohnkosten ab). „Beim Kurzarbeitergeld haben wir freiwillig von 60 auf 80 Prozent erhöht. Die Löhne im Einzelhandel sind eh schon nicht so hoch, das wäre für einzelne Mitarbeiter dramatisch geworden.“

Trotz aller für ihr Unternehmen damit verbundenen Schwierigkeiten, ist Daniela Leffers davon überzeugt, dass die behördliche Schließung aller Einzelhandelsgeschäfte jenseits des Lebensmittelhandels „genau der richtige Schritt“ war, um die Ausbreitung der Infektionen mit COVID 19-Viren einzudämmen. Auch für die Betreuung vor Ort – von der Wirtschaftsförderung der Stadt bis zu den Auskünften am Bürgertelefon – hat sie viel Lob übrig. „Mein Eindruck ist, wir sind in der Stadt toll aufgestellt.“

Aktuell gehe man davon aus, dass die Geschäfte vielleicht Anfang Mai wieder geöffnet werden könnten. Wie es dann weitergeht? Daniela Leffers: „Das hängt entscheidend von den Kunden ab.“

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