Wilhelmshaven - Gerhard Schehr (77) und Heinz König (86) aus der Norderneystraße 19 rieben sich verwundert die Augen, als sie einen Tag vor Weihnachten die Nebenkostenabrechnung für das Jahr 2021 endlich erhielten. Schehr soll 1718 Euro an Heizkosten und 327 Euro an sonstigen Nebenkosten nachzahlen, zusammen also 2045 Euro, Heinz König muss immerhin 700 Euro nachentrichten. Schehr: „Dabei hatte ich für 2020 noch eine Gutschrift von mehr als 600 Euro für zu viel gezahlte Nebenkosten erhalten.“

Sie wundern sich: 2021 seien doch die Energiepreise noch gar nicht so stark gestiegen, meinen sie. Die Erinnerung trügt. Der Gaspreis-Index (2015 = 100), wie er bei destatis.de nachzulesen ist, weist bis zum August allerdings sehr niedrige Verbraucherpreise für Gas aus, angefangen von 76,6 ansteigend auf 99,3.

Danach ging es jedoch rasant nach oben auf 136,2 im November und 182,3 im Dezember 2021. Die Preise stiegen weiter bis zum Höchststand im September 2022, als der Index bei 343,7 stand. Seitdem sinken die Preise wieder. Im Oktober wurde ein Index von 272 errechnet. Mittlerweile ist der Preis wieder auf das Niveau vom Dezember 2021 gefallen.

Während Schehr und König die Nachzahlungsforderung stemmen können, gebe es Nachbarn im Haus, denen die Rechnung größere Probleme bereite, weil sie durch Pflegekosten schon stark belastet seien, sagen sie. Zwar wissen auch König und Schehr um die allgemeine Energiepreisentwicklung, doch wüssten sie gern, welche Verträge ihr Wohnungsunternehmen LEG mit Versorgern abgeschlossen hat. „Wir können die Abrechnung für 2021 sonst nicht nachvollziehen“, sagt Schehr. Auch die 20-Prozent-Erhöhung bei den sonstigen Nebenkosten sei erklärungsbedürftig.

LEG-Pressesprecherin Veronika Böhm erklärte die späte Nebenkostenabrechnung mit den enormen, technisch bedingten Umstellungsarbeiten im Zuge des Übergangs des Wohnungsbestandes von dem Wohnungsunternehmen Adler auf die LEG. Auch der Wärmemessdienst müsse die Daten zu dem Objekt erst aufbauen und Prüfungen unterziehen, um die Abrechnung über das LEG-IT-Programm erstellen zu können.


Bei den sonstigen Nebenkosten seien bereits bekannte Kostenerhöhungen bei Wasser, Müllgebühren und Versicherungskosten berücksichtigt worden, teilt Böhm mit.

Für das Jahr 2021 sei die LEG noch an den Wärmecontracting-Vertrag mit der Adler Energie Service gebunden und ohne Einfluss auf Preiserhöhungen gewesen. Seit Januar 2022 aber beliefere die GEW die Wilhelmshavener LEG-Zentralheizungen wieder direkt.

Hartmut Siefken
Hartmut Siefken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung