Wilhelmshaven - Das Happy-End gab es bereits vor der Aufführung: Am Samstag konnte die VHS-Theaterwerkstatt endlich ihr Stück „Es wird einmal – Von Menschen und anderen Wesen“ aufführen.
Vor drei Jahren begannen die Laien-Spielerinnen und -Spieler in der von Angelika Heinich geleiteten Gruppe mit den Vorbereitungen. Dann kam Corona samt Lockdwons und Auflagen und der Premierentermin musste immer wieder neu angesetzt werden. Nun hat es endlich geklappt und so gab es am Premierentag mit zwei Vorstellungen in der VHS-Aula erstmal einen großen Applaus vom Publikum.
Die Gruppe hatte das Stück selbst erdacht, geschrieben und entwickelt. Elf Szenen sind herausgekommen, die alle eines eint: Die Künstliche Intelligenz, personifiziert und dargestellt in verschiedensten Lebenslagen – vom „Babydesign“ bis zur „Beerdigung“.
Letztere lieferte den Auftakt der ideenreichen kurzen Episoden: Bei der Beisetzung hält die Trauergemeinde entsetzt den Atem an, denn es gilt, den letzten Wunsch des Verstorbenen zu erfüllen und dessen engste Beziehung mit ihm unter die Erde zu bringen. Welch eine Erleichterung, dass es sich um einen Androiden handelt. Alles andere wäre ja unmenschlich.
Am zehnten Hochzeitstag begreift der Ehemann erst, dass er seine künstlich intelligente Angetraute auch upgraden kann und in der Szene „Mom & Louisa“ erfahren wiederum die Wissenschaftler, dass ihr geschaffenes Wesen die Pubertät durchlebt.
Die Werkstatt-Mitglieder Heike Bauer, Birgit Holtz, Kathrin Neumann, Clemens Niemann, Jan-Dirk Page, Norbert Stieglitz, Gudrun Weber und Niels Westerholt treten mit viel Spielwitz auf, einige von ihnen stehen gar das erste Mal auf der Bühne. Und während sich bei ihnen in 80 Minuten alles um die Künstliche Intelligenz dreht, können die Zuschauer staunen über die Möglichkeiten der Algorithmen, über Roboter, die die Weltmacht übernehmen, über die Manipulationen leicht komplexbeladener Männer an ihren androiden Ehefrauen und Einsätze der Notfallprogramme, denn „Fehler sind menschlich!“.
Drei Jahre musste die Theaterwerkstatt all ihre erdachten Figuren unter Verschluss halten, nun strömten sie endlich hervor ins Bühnenlicht. Das unterhaltsame Spiel macht nicht nur Spaß, sondern wirft doch hier und da auch, trotz aller Leichtigkeit, philosophische Fragen auf. Zum Beispiel, wenn beim „Babydesign“ der Mann als Erzeuger durchaus entbehrlich ist, wenn Gartenroboter sich gewerkschaftlich organisieren wollen, um ihr „Recht auf mehr Arbeit“ durchzusetzen, oder wenn auch einem künstlichen Wesen mal die Puste ausgeht und die Worte nicht mehr flutschen wollen. Denn Künstliche Intelligenz ist auch nur menschgemacht.
