Wilhelmshaven - Mit vier Maßnahmen wollen die Stadt Wilhelmshaven und die hiesige Kassenärztliche Vereinigung (KVN) gemeinsam die kinderärztliche Versorgung in der Stadt verbessern. Hintergrund ist der Wegzug zweier Kinderärzte, wobei nur in einem Fall ein Kassenarztsitz für Kinderärzte frei wird, da der zweite Teil einer Praxisgemeinschaft war, die ihre Arbeit fortsetzt. Die Zeit drängt: Binnen eines Jahres muss der Sitz nachbesetzt werden, da er ansonsten für die Stadt wegfällt.
Oberbürgermeister Carsten Feist trat gestern dem Eindruck entgegen, dass die Stadt bei diesem viel diskutierten Thema untätig geblieben ist. Stattdessen hätten KVN und Stadt in mehreren Gesprächen Ideen entwickelt, um schnell eine Lösung herbeizuführen.
50.000 Euro Zuschuss
Eine ist ein Investitionskostenzuschuss in Höhe von bis zu 50 000 Euro, den die Stadt für einen neuen Kinderarzt über die Wirtschaftsförderung auslobt. Der Rat hat dies in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen. Der Zuschuss setzt voraus, dass der- oder diejenige für sieben Jahre in der Stadt praktiziert. Dabei ist es egal, ob jemand selbstständig eine neue Praxis eröffnet, eine vorhandene übernimmt oder angestellt in einer Gemeinschaft arbeitet. Denkbar wäre auch, dass sich zwei halbtags tätige Kinderärztinnen oder Kinderärzte zusammenschließen.
Internetwerbung
Um potenzielle Kandidaten auf das Angebot aufmerksam zu machen, wurde eine Imagekampagne über die JadeBay in die Wege geleitet.
Ausbildungspaket
Doch Ärzte und Stadt gehen noch einen Schritt weiter. Mit einer Verbundsweiterbildung wollen sie dafür sorgen, dass Medizinstudenten in der Jadestadt den Weg zum Kinderarzt einschlagen. Während es normalerweise so ist, dass angehende Ärzte sich die nötigen Ausbildungsstationen – etwa in einer Kinderklinik und ambulant in einer Praxis – selbst organisieren müssen, wolle man in Wilhelmshaven ein „fertig geschnürtes Paket mit rosa Schleife“ anbieten, wie der Mediziner Klaus-Peter Schaps sagt. Dies werde zwar nicht zu unmittelbaren Ergebnissen führen, aber die Partner wollen hiermit für die Zukunft vorsorgen.
Hausärzte schulen
In diese Richtung gehen auch geplante Weiterbildungsangebote für Hausärzte. Diese dürfen Kinder ohnehin behandeln. Allerdings gibt es oftmals Unsicherheiten, da dies bislang nicht zum Alltagsgeschäft dazugehörte. Allgemeinmediziner Matthias Abelmann bietet zum Beispiel jetzt schon erwachsenen Patienten in seiner Praxis an, deren Kinder mitzuversorgen. Er geht davon aus, dass weitere Kolleginnen und Kollegen dem Beispiel folgen könnten, was auch zu einer Entlastung der übrigen Kinderärzte führen dürfte.
Laut Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung in der Bezirksstelle Oldenburg, sind die Wilhelmshavener Probleme alles andere als einzigartig. Es gebe überall einen Mangel an Kinderärzten. Leider würden sich viele junge Mediziner anders spezialisieren. In Deutschland gibt es keine staatliche Lenkung der Ausbildung in eine Richtung, wo gerade Bedarf ist. Die viel kritisierte Bedarfsplanung, die für Wilhelmshaven trotz objektiven Mangels sogar eine Überversorgung feststellt, liegt indessen nicht in der Hand der hiesigen Akteure und müsste bundesweit angepasst werden, was angesichts des Fachkräftemangels aber wohl erstmal nur auf dem Papier zu einer Änderung führen würde.
