Wilhelmshaven - Montag, 7.30 Uhr. Cornelia Ennen hört den Anrufbeantworter ab. Ein Arbeitgeber hat ein Stellenangebot auf Band gesprochen. Fünf Stellengesuche sind im Mail-Postfach eingegangen. Ennen ist Vermittlerin im gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter, sie betreut unter anderem Arbeitgeber im Handwerk. Gemeinsam mit 16 Kollegen ist sie Bindeglied zwischen Arbeitgebern in Wilhelmshaven und Friesland, die Personal suchen, und zurzeit rund 5900 Arbeitslosen.
Stellenangebote haben Vorrang. Ennen notiert die Angaben, die die Arbeitgeberin auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat und ruft sie an: „Guten Morgen, Frau Schmitz, ich habe noch ein, zwei Fragen zu Ihrer Stelle.“ Alle Details müssen vorliegen, damit ein Stellenangebot in die „Jobbörse“ eingegeben werden kann. Die Internet-Suchmaschine der Bundesagentur für Arbeit enthält zurzeit gut 1,5 Millionen freie Arbeitsstellen zwischen Flensburg und Lindau.
Arbeitgeber, die noch keinen Kontakt zum Arbeitgeber-Service hatten, nutzen die Hotline, die Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr besetzt ist. Gut 5400 Stellen waren es 2018, die Betriebe der Region meldeten – zwei von drei Stellen für Fachkräfte. Weniger als 20 Prozent richten sich an Ungelernte.
Auch die Arbeitgeberin sucht einen Metallbauer mit abgeschlossener Berufsausbildung. „Zu welchem Zeitpunkt suchen Sie denn jemanden?“, fragt Ennen. Es soll schnell gehen. „Arbeitslose Metallbauer mit Berufserfahrung gibt es zurzeit nicht, dafür aber arbeitslose Helfer. Könnten Sie sich vorstellen, jemanden zu qualifizieren?“
Dass Stellenangebot und Arbeitslose nicht zusammen passen, ist inzwischen Alltag im Arbeitgeber-Service. Was dann passiert, nennen die Vermittler „Arbeitsmarkt-Beratung“. Sie erläutern den Arbeitgebern, welche Qualifikationen, aber auch Einschränkungen die Kandidaten mitbringen, die eine Arbeitsstelle suchen.
Flexibilität auf Arbeitgeberseite ist hilfreich: Könnte ein gut qualifizierter älterer Arbeitsloser fünf statt acht Stunden täglich arbeiten, weil er gesundheitliche Einschränkungen hat? Könnte die Arbeitszeit verlegt werden, damit eine Mutter die Hilfe ihrer Eltern bei der Kinderbetreuung nutzen kann?
Auch die Rahmenbedingungen sprechen die Vermittler an: Arbeitszeiten, Gehalt, Arbeitsklima. Das Thema Befristung spielt ebenfalls eine Rolle – auf unbefristet ausgeschriebene Stellen kommen deutlich mehr Bewerbungen.
Ennens Kollege Peter Saloga bereitet einen Bewerbertag vor. Ein Supermarkt sucht acht Verkäufer. Wenn Betriebe fünf oder mehr Stellen gleichzeitig ausschreiben, bietet der Arbeitgeber-Service an, eine Gruppen-Veranstaltung zu organisieren.
Arbeitsagentur und Jobcenter schicken allen Kunden eine Einladung, deren Profil zu den ausgeschriebenen Stellen passt. Saloga telefoniert die Eingeladenen ab: „Mit Ihrer Erfahrung im Lager haben Sie gute Chancen.“
Anschließend bespricht er mit der Personalleiterin des Supermarkts den Ablauf. An zwei Tagen werden jeweils rund 25 Bewerber erwartet. Nach einem kurzen Vortrag des Arbeitgebers finden in der Regel kurze Vorstellungsgespräche statt.
Saloga empfiehlt, sämtliche Rahmenbedingungen zu nennen. „Es ist gut, wenn Sie Ihre Erwartungen deutlich formulieren, aber auch sagen, was künftige Mitarbeiter von Ihnen erwarten dürfen.“ Außerdem rät er, bei der Selbstdarstellung kreativ zu sein: „Letztens hatte ein Backhaus zwei Körbe duftendes Gebäck zum Bewerbertag mitgebracht – kam super an.“
Seitdem der Arbeitskräfte-Bedarf im JadeWeserPort kräftig gestiegen ist, arbeiten die Vermittler Ingo Theilen und Jan Westphal in erster Linie für die dortigen Arbeitgeber. Gemeinsam mit drei Kolleginnen aus der Arbeitsvermittlung in Jobcenter und Arbeitsagentur suchen sie passende Arbeitskräfte für Lagerei, Versand und Verkehr. An diesem Vormittag führen sie im 30 Minuten-Takt Gespräche mit Arbeitslosen, die ihr Interesse an einem Hafen-Job bekundet haben. Theilen und Westphal, jeweils flankiert von einer Arbeitsvermittlerin, besprechen mit jedem Einzelnen, welche Berufserfahrung er mitbringt, fragen nach, ob es körperliche Einschränkungen gibt und stellen freie Stellen vor. Die Bewerbungsunterlagen von passenden Kandidaten geben sie anschließend direkt an die suchenden Unternehmen weiter.
Qualifizierungsberater Jochen Alber fährt zum Metallbau-Betrieb von Elke Schmitz (Name von der Redaktion geändert). Zuvor hat er im Vermittlungsprogramm „VerBis“ die Profile der arbeitslosen Metallbau-Helfer durchgeschaut. 37 sind es in der Region, davon 20 zwischen 25 und 39 Jahre alt. Er stellt der Arbeitgeberin die Möglichkeiten dar: „Sie können einen Helfer in Ihrem Betrieb umschulen und bekommen von der Arbeitsagentur eine Förderung. Haben Sie jemanden im Betrieb, dem Sie das zutrauen? Wenn nicht, könnten Sie einen arbeitslosen Helfer einstellen, der Lust am Lernen hat.“
Alber erläutert, wie eine Umschulung im Betrieb funktioniert: Der Helfer erlernt den gesamten Stoff, den auch Azubis beherrschen müssen, im Betrieb und in der Berufsschule. Die Umschulung zum Metallbauer dauert 28 Monate, die klassische Berufsausbildung dreieinhalb Jahre. Umschulungen sind grundsätzlich um ein Drittel kürzer als die Berufsausbildung.
Einen Teil des Arbeitsentgelts – Lohn und Sozialabgaben – bekommt das Unternehmen von der Arbeitsagentur. Lernmaterial, Fahrtkosten und die Lehrgangskosten für überbetriebliche Lehrgänge übernimmt ebenfalls die Arbeitsagentur. „Und wenn Ihr Helfer in der Berufsschule Probleme hat, bezahlen wir auch die Nachhilfe“, so Alber.
Die meisten Unternehmen brauchen kurzfristig einen Fachmann. Wenn es den auf dem Arbeitsmarkt nicht gibt, folgt Plan B: Personalentwicklung. Personalrekrutierung, Personalbindung und Personalentwicklung bedingen sich gegenseitig. „Wer seinen Mitarbeitern Chancen im Unternehmen eröffnet, macht sich als Arbeitgeber attraktiv – für seine Beschäftigten und auch für potenzielle Bewerber“, so Teamleiter Axel Waschke. „Qualifizierung ist die Brücke, über die Arbeitgeber jetzt immer häufiger gehen müssen.“
Für Arbeitgeber, die noch keinen persönlichen Ansprechpartner haben, gibt es die kostenlose Hotline: 0800/4 55 55 20 (montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr).
