Wilhelmshaven - „Wenn die Verordnung so kommt wie angekündigt, dann werden wir sehr viel mit unseren Gästen kommunizieren müssen, um ihnen die Dinge zu erklären.“ Olaf Stamsen, Wilhelmshavens Stadtverbandsvorsitzender im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), ist zwar erfreut darüber, dass am Montag die Außengastronomie öffnen darf und die touristische Beherbergung zumindest von „Landeskindern“ wieder möglich sein soll, doch praxisnah seien viele Vorgaben nicht. Das kommt für ihn allerdings nicht überraschend.
Wieder mal bringe die Politik etwas auf den Weg, ohne vorher mit der betroffenen Branche kommuniziert zu haben, ärgert er sich. Dass etwa tagesaktuelle und qualifizierte Corona-Tests Voraussetzung für einen Besuch einer Außengastronomie sein sollen , hält er für ebenso umständlich wie überflüssig (die WZ berichtete). Durchgeimpfte oder nachweislich Genesene seien zwar von dieser Regel nicht betroffen, doch sei diese Gruppe nur sehr klein und bezogen auf die Durchgeimpften schon rein altersmäßig wenig mobil.
Ein großes Durcheinander befürchtet der Gastronom und Hotelier auch bei den angekündigten neuen Regeln im Beherbergungsbereich. „Wir mussten uns über Monate mit Business-Gästen über Wasser halten“, blickt Stamsen zurück, Die bräuchten keinen täglichen Test zu machen, könnten sich unter Wahrung der Hygieneregeln im Haus relativ frei bewegen und natürlich auch die Innengastronomie nutzen. Touristische Gäste dagegen müssten bei der Anreise einen negativen Corona-Test vorlegen und vor Ort täglich einen kontrollierten Test machen. Diese Ungleichbehandlung sei den Gästen nur schwer zu vermittel, fürchtet Stamsen.
Noch abstruser werde es, wenn Besucher der Außengastronomie sehen, wie Hotelgäste drinnen essen und trinken, sie ihrerseits aber nicht hinein dürften. Ja, man würde viel mit den Gästen kommunizieren müssen. Wie allerdings Vorgaben erklärt werden sollten, deren Sinnhaftigkeit sich einem selbst nicht erschließt, wisse er nicht.
Trotz der genannten Unwägbarkeiten will Stamsen am Montag seine Außengastronomie öffnen. Wie viele es ihm gleichtun, darüber möchte er nicht spekulieren. Es sei aber so, dass gerade einmal 30 Prozent der Wilhelmshavener Gastronomiebetriebe überhaupt einen Außenbereich hätten. Zudem sei es nicht ohne Risiko, ausschließlich in einen wetterabhängigen Segment die Arbeit wieder aufzunehmen. „Personal- und Warenkosten entstehen in jedem Fall, auch wenn keine Gäste kommen“, mahnt der Experte.
Jeder vierte Betrieb werde wegen der Pandemie schließen müssen, sagt Stamsen. Auch in Wilhelmshaven wird es Betroffene geben. Aber der Dehoga-Chef weiß, dass es sich im ländlichen Raum weitaus schlimmer darstellt. „In Friesland, in Ostfriesland, im Ammerland oder auch in Süd-Oldenburg gibt es Gesellschaftshäuser mit Sälen für viele hundert Gäste. Die sind seit Monaten geschlossen und haben nichts davon, wenn am Montag Außengastronomie möglich wird. Die haben oft solche Angebote gar nicht und Testzentren gibt es in der Nähe sicher auch nicht.“ Dabei zähle für das Überleben dieser Betrieb jeder Tag.
Dass die geplanten Vorgaben aus Hannover in der betroffenen Branche nicht ohne Kritik geblieben sind, scheint auch die Landesregierung erreicht zu haben. Die wollte die Verordnung gestern den parlamentarischen Gremien vorlegen, unter anderem dem Sozialausschuss, in dem heute darüber debattiert wird. Dessen Vorsitzender, der Wilhelmshavener Landtagsabgeordnete Holger Ansmann (SPD), hatte am späten Mittwochnachmittag allerdings noch kein Papier vorliegen. Es habe im Kabinett vermutlich noch Diskussionsbedarf gegeben, vermutete er im Gespräch mit der WZ. Angesichts der Kritik könne er sich durchaus gut vorstellen, um welche Punkte es dabei gegangen sein dürfte.
