Wilhelmshaven - Der kommunale Energieversorger GEW erhöht die Gaspreise für seine Privatkunden ab dem 1. November um mehr als 100 Prozent. Die Erhöhung, die in dieser Woche verkündet worden ist, und schon lange erwartet wurde, hängt an einer ganzen Reihe von Faktoren, die den Gaspreis nach oben treiben. Wirklich beeinflussen kann die GEW nur einen immer kleiner werdenden Teil.
Wie setzt sich derGaspreis zusammen?
Laut der GEW mache der für das Unternehmen beeinflussbare Teil nur 46,3 Prozent aus. Darin enthalten ist einerseits der Einkaufspreis auf dem Gas-Markt, aber auch Vertriebs- und Servicegebühren. Mehr als die Hälfte des Gaspreises setze sich hingegen aus staatlich regulierten Bestandteilen zusammen. Darunter etwa die Energiesteuer, Netzentgelte, die CO2-Bepreisung oder die Umsatzsteuer.
Zuletzt hat die Bundesregierung zwei neue Umlagen eingeführt, die alleine fast 19 Prozent des Preises ausmachen. Dabei handelt es sich um die sogenannte Gasbeschaffungsumlage und die Gasspeicherumlage. Beide greifen ab dem 1. Oktober.
Wofür gibt es die neuen Gasumlagen?
Mit der Beschaffungsumlage (kurz: Gasumlage) sollen Gasimporteure gestützt werden. Diese erhalten seit Beginn des Ukraine-Krieges weniger Gas aus Russland und müssen dieses nun anderweitig zu sehr hohen Preisen nachkaufen, was für manche Importeure existenzgefährdend sein kann. Um Insolvenzen zu verhindern, gibt es die Umlage, die für alle Gasnutzer auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde festgelegt ist. Mit der Gasspeicherumlage sollen die Kosten für die Befüllung der deutschen Erdgasspeicher auf alle Kunden umgelegt werden. Die Umlage beträgt 0,059 Cent pro Kilowattstunde. „Die deutschen Erdgasspeicher sind aktuell bereits zu rund 87 Prozent befüllt“, berichtete GEW-Chef Josef Thomann in dieser Woche.
Was muss die GEW fürGas im Einkauf zahlen?
Die GEW kauft Gas bereits lange vor dem Beginn eines Lieferjahres ein. Diese langfristige Beschaffung hat auch dazu beigetragen, dass der Versorger die Preise bislang in diesem Jahr stabil halten konnte, erläuterte Thomann. Zum Vergleich: Andere Anbieter hatten bereits vor dem Sommer die Preise teils drastisch angehoben.
Schwierig wird es für die GEW als Grundversorger allerdings dann, wenn der Gasbedarf größer ist als geplant. Zuletzt waren etwa ungewöhnlich viele Kunden von anderen Anbietern zum Unternehmen zurückgewechselt, weshalb die GEW ungeplant zusätzlich Erdgas zu extrem hohen Kosten beschaffen musste. Der Preis an den Börsen sei aktuell zehn bis fünfzehn mal so hoch wie noch vor eineinhalb Jahren, sagte GEW-Vertriebsleiter Kai Rückstein im Gespräch mit der WZ. Während die Kilowattstunde damals im Einkauf rund zwei Cent kostete, seien es nun bis zu 30 Cent.
Dass das Unternehmen ungeplant zu diesen Konditionen einkaufen musste, hat am Ende auch zur Preiserhöhung für alle Kunden beigetragen.
Wie wird sich der Preis in Zukunft entwickeln?
Ob das Ende der Fahnenstange erreicht ist, ist bislang noch nicht absehbar. „Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Strom- und Gaspreise sind noch nicht abschließend zu erkennen und werden voraussichtlich zu weiteren Erhöhungen führen“, prognostiziert Kai Rückstein die künftige Entwicklung.
„Uns ist bewusst, dass die hohen Energiepreise eine enorme Belastung darstellen werden“, sagte GEW-Chef Thomann. Das Unternehmen selbst rät schon seit längerem dazu, jede Möglichkeit zum Energiesparen zu nutzen. Dazu bietet die GEW auch selbst Energiesparberatungen an.
