Wilhelmshaven - Pastor Frank Morgenstern und Elke Schnitger, Schriftführerin des Soroptimisten-Clubs Wilhelmshaven, luden zu einer Diskussion über Integration in Wilhelmshaven ein. Unter der Frage „Geflüchtete Menschen – 2015 und jetzt: Wo stehen wir heute?“ sprachen Gäste, die sich in unterschiedlicher Weise mit Flüchtlingen auseinandergesetzt hatten. Die Moderation des Abends hatte Carola Schede. In den Redepausen las Schauspielerin Steffi Bauer aus dem Erfahrungsbericht „Meine Worte brechen Eure Grenzen – Briefe an die Welt aus Moria“ von Parwana Amiri. Holger Trempeck-Wilken spielte am Flügel Melodien zwischen Melancholie und Zuversicht.
Die geflüchteten Menschen, so Frank Morgenstern, veränderten die Gemeinde radikal. Dabei erzeugte die Gemeinde eine Sogwirkung. Es werde gemeinsam gesungen und gebetet, Teile der Gottesdienste auf Farsi übersetzt.
Elke Schnitger erinnerte sich, als damalige Leiterin der Berufsbildenden Schulen Wilhelmshaven unbegleitete Flüchtlinge unterrichtet zu haben. In ihren Augen seien Hoffnung und Angst zu sehen gewesen. Heute freue sie sich, dass diese jungen Menschen in der Gesellschaft angekommen seien.
Carola Schede begrüßte Masuda und Subada Tajik, Schwestern aus Afghanistan. Sie wurden bereits 2000 in Teheran getauft, kamen 2012 nach Bad Kreuznach und 2020 nach Wilhelmshaven. Hier wurde ihre Taufe erneuert, sie wurden konfirmiert und ließen sich zu Lektorinnen ausbilden. Sie konnten die in dem Bericht geschilderten Situationen bestätigen, erinnerten sich an tagelanges Laufen. Sie wollten keine Sklavinnen sein, die nicht ohne Männer raus dürften. Freiheit sei ihnen wichtig. Vielleicht, so Carola Schede, stünde hier bereits die erste afghanische Präsidentin.
WZ-Redakteur Hartmut Siefken ging auf die Situation geflüchteter und vertriebener Deutscher als Folge des zweiten Weltkriegs ein. Als Volontär habe er vor 40 Jahren oft Ankündigungen und Berichte über Vertriebenentreffen verfasst. Große sprachliche und kulturelle Unterschiede zwischen Einheimischen und Vertriebenen waren offensichtlich. Vor allem, wenn die Zuzügler auch noch katholisch waren. So errichteten die Katholiken in Roffhausen ihre Kirche. Die Protestanten konterten ebenso mit einem Kirchenbau und nannten ihn nach Gustav Adolf, dem Heerführer der Protestanten im Dreißigjährigen Krieg. Später galten Vertriebene, die an ihre Schicksale erinnerten, als Revanchisten. In Bezug auf heute riet er, Deutschland als Einwanderungsland zu akzeptieren und zu überlegen, wie mit dem Druck auf die Grenzen umgegangen werde.
Oberbürgermeister Carsten Feist warnte, Fremdenfeindlichkeit dürfe nicht alltäglich werden. Zwar solle man Sorgen und Ängste Einheimischer ernst nehmen. Aber das Grundgesetz sei nicht verhandelbar. Rechten Hetzern dürfe kein Vorschub geleistet werden.
Sabine Wistuba und Petra Busemann aus der Kirchgemeinde wurden als Expertinnen für interkulturelles Verständnis vorgestellt. Es gebe viele Integrationshelfer. Das soziale Netzwerk sei in Wilhelmshaven gut aufgestellt. Frauen seien leider oft familiär zu sehr eingebunden, um Sprachkurse zu besuchen. Integration sei eine Generationenaufgabe.
Als Leiter der Produktionsschule der Berufsbildenden Schulen berichtete Michael Knüver von seinen Schülern, zu 90 Prozent mit Migrationshintergrund. Wilhelmshaven habe viele tolle Firmen, die sich auf diese jungen Menschen einließen.
In einer Schlussrunde äußerten Gäste Sorge, dass ihre ausländischen Ehepartner nicht in Deutschland bleiben dürfen. Auf die Frage, was für Integration noch getan werden müsse, wurde gesagt, man solle den Geflüchteten unsere Kultur anbieten, sie ihnen aber nicht überstülpen. Die Kollekte am Ausgang ging an die Sprachförderklasse der Marion-Dönhoff-Schule.
