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Neue Aufgaben für HES Wilhelmshaven hat wieder eine Raffinerie

Gerd Abeldt

Wilhelmshaven - „Wilhelmshaven hat wieder eine Raffinerie“, sagt Dr. Thomas Jenke, Geschäftsführer der HES Wilhelmshaven Tank Terminal GmbH. Seit einigen Wochen produziert das Unternehmen auf dem Gelände der 2010 stillgelegten Wilhelmshavener Raffinerie GmbH schwefelarmen Schiffskraftstoff.

Von der Planung bis zur Realisierung des Projektes sind gut drei Jahre ins Land gegangen. Seit Anfang April liegt die Betriebsgenehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) für die umgebaute und komplett überholte ehemalige Vakuumdestillationsanlage der WRG vor. „Der Testbetrieb wird an diesem Wochenende abgeschlossen sein“, sagt Jenke. Das erste Tankschiff, dass schwefelarmen Schiffskraftstoff von Wilhelmshaven exportieren soll, ist vor zwei Wochen verladen worden. Jenke: „Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Am Dienstag wurde das erste Naphta-Schiff verladen, am Donnerstag das zweite Schiff mit schwefelarmem Schiffskraftstoff und am Montag wird das nächste Rohölschiff erwartet.“

In der HES-Anlage wird aus schwefelarmem Rohöl Schweröl als Schiffskraftstoff gewonnen, der den seit Anfang dieses Jahres gültigen Umweltbestimmungen der Weltschifffahrtsorganisation IMO genügt. Danach darf der maximale Schwefelgehalt statt bislang 3,5 nur noch 0,5 Prozent enthalten. Der schwefelarme Kraftstoff gilt aus ökologischer Sicht als Übergangslösung. Er kann von den meisten in Fahrt befindlichen Schiffen genutzt werden. Die Umrüstung auf klimafreundlichere Kraftstoffe – zum Beispiel Flüssigerdgas – dürfte sich einige Jahre hinziehen.

245 Nebenbestimmungen musste erfüllt werden

Seit 2011 wurde die ehemalige Raffinerie als Tanklager und Umschlagsbetrieb genutzt. Das Unternehmen importiert und lagert für Kunden neben Rohöl, Diesel, Benzin und Autogas (LPG) auch Kraftstoff für Flugzeuge. Mit der Inbetriebnahme der Destillationsanlage hat sich das Dienstleistungsunternehmen wieder in einen Produktionsbetrieb gewandelt. Jenke: „Das war auch für die Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamtes ein besonderer Moment.“ Ausdrücklich lobt der HES-Geschäftsführer das gute Miteinander mit der Oldenburger Aufsichtsbehörde. Aber auch mit den beteiligten städtischen Behörden habe man reibungslos zusammengearbeitet.

Immerhin mussten auf dem Weg zur Betriebsgenehmigung 245 Nebenbestimmungen erfüllt werden – unter anderem Auflagen für den Brand-, Umwelt- und Arbeitsschutz. Für Jenke Selbstverständlichkeiten: „Der Umwelt- und der Arbeitsschutz haben auch für uns einen sehr hohen Stellenwert.“


Die HES habe im Zuge des Projektes in den Standort einen dreistelligen Millionenbetrag investiert, sagt der Geschäftsführer. Neben der Umrüstung der Destillationsanlage habe hierbei die Umsetzung eines neuen Brandschutzkonzeptes eine wesentliche Rolle gespielt. Neben Rauch- und Branderkennungsvorrichtungen seien eine Fülle von Sprenkleranlagen installiert worden.

Die Baugenehmigung umfasste den Bau von acht weiteren Tanks. Mit Blick auf die Perspektiven des Standortes am tiefen Fahrwasser geht Jenke davon aus, dass der Bau der Behälter in naher Zukunft beginnt. „Es gibt bereits Anfragen, ob wir nicht auch ins Exportgeschäft für Raffinerieprodukte einsteigen können.“

HES Wilhelmshaven beschäftigt derzeit 140 Mitarbeiter. In den vergangenen Monaten haben phasenweise mit den Beschäftigen von Fremdfirmen zwischen 600 und 650 Menschen auf dem Unternehmensgelände gearbeitet. Vor der Corona-Krise verließen täglich drei bis vier Ganzzüge das Tanklager. Der Schiffsverkehr zum HES-Anleger werde jetzt deutlich zunehmen, kündigte Jenke an.

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