Wilhelmshaven - Es war ein kleiner Kreis, als der Behindertenbeirat der Stadt in der Stadthalle zu seiner Sitzung zusammenkam. Doch die Beiratsmitglieder wollten mit ihrer Anwesenheit ein Zeichen setzen. „Es gibt uns noch, wir sind noch da“, sagte Vorsitzende Sabine Gastmann mit Nachdruck.

Zwei Beiratsmitglieder hatten aus gesundheitlichen Gründen ihre Teilnahme abgesagt. Aber auch sie haben nach Gastmanns Worten das Zustandekommen der Sitzung ausdrücklich befürwortet, auch wenn beispielsweise Ratsausschüsse mit Hinweis auf die gesundheitlichen Risiken für die Teilnehmer abgesagt würden. Menschen mit Behinderungen könnten sehr wohl für sich selbst Entscheidungen treffen, betont Gastmann.

Gerade in der augenblicklichen Krisenzeit sei es wichtig, öffentlich in Erscheinung zu treten und für die eigenen Belange einzutreten.

So beschränkte sich der Beirat nicht nur darauf, sein Einverständnis mit der barrierefreien Umgestaltung weiterer Bushaltestellen im Stadtgebiet zu erklären.

Hauptthema waren die Auswirkungen der Coronakrise auf Menschen mit Behinderungen. Werkstätten, Tagesbildungsstätten, Kindertagesstätten sind geschlossen, Leistungen der Eingliederungshilfe eingestellt. Wohneinrichtungen, die normalerweise tagsüber leer stehen, sind nun rund um die Uhr in Betrieb. Für die Verwaltung berichtete Michael Koch, dass die finanziellen Probleme inzwischen durch das im April verabschiedete Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) gelöst wurden.


Problematisch bleibt die heilpädagogische Frühförderung. Unter den Bedingungen des Abstandsgebotes könne diese Leistung nicht erbracht werden, sie sei aber notwendig, so Koch. Anders als Physiotherapie und Ergotherapie könne sie auch nicht über eine ärztliche Verordnung abgesichert werden.

Andererseits könne sie aber nicht aufgeschoben werden, wenn man spätere Behinderungen vermeiden wolle, ergänzte Sabine Gastmann.

Den einzig gangbaren Weg zwischen Abstandsgebot und Förderbedarf sieht die Verwaltung in einer Anleitung, nach der Eltern selbst die Förderung in die Hand nehmen können, obwohl die ohnehin starke Belastung der Eltern außer Frage stehe. Das sei auch mit der Wilhelmshavener Kinderhilfe und der Lebenshilfe inzwischen abgesprochen.

Nicht zuletzt Menschen mit Behinderungen trifft auch die Schließung aller öffentlichen Toiletten in der Stadt. Sabine Gastmann verwies auf eine Anruferin, die an einer Darmerkrankung leide und sich nun nicht mehr aus dem Haus traue. Bürgermeister Uwe Reese räumte ein, dass sich das Problem vor allem im Bereich Südstrand stelle. Hier müssten pragmatische Lösungen gefunden werden, bei vielleicht auch Toilettennutzer eigenverantwortlich für Desinfektionsmaßnahmen sorgen.