Wilhelmshaven - Auf dem Pflaster des Banter Marktes liegt eine große Geburtstagstorte. Keine echte, sondern eine gemalte. Es gab ja auch keine richtige Geburtstagsfeier, sondern nur ein Stelldichein – doch aus gutem Grund: Die Stadt und die verschiedenen Träger wollten an die Gründung der Familienzentren vor zehn Jahren erinnern. Der Geburtstag hätte eigentlich groß im Gorch-Fock-Haus gefeiert werden sollen, mit Festreden und allem Pipapo, doch die Zeiten sind gerade andere. Corona-bedingt wird das Feiern um ein Jahr verschoben. Der Termin für den 11. Jahrestag ist schon klargezogen. Am 14. Mai 2021 trifft man sich wieder, dann mit Schampus und allem Drum und Dran, so Jugendamtsleiter Jörg Ratzmann.

Es gibt die vier Familienzentren Ost, Süd, West und Nord, die je zwei voneinander unabhängige Träger haben. Die Stadt kooperiert dabei mit der Evangelischen Familienbildungsstätte, dem Caritasverband des Dekanats Wilhelmshaven, mit SOS Kinderdorf, der GPS und der BeKa GmbH. Die Zentren pflegen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, Mitarbeiter treffen sich zum regelmäßigen Austausch, berichteten Rüdiger Schaarschmidt, Leiter der Ev. Familienbildungsstätte, Sabine Tjaden, Abteilungsleiterin im Jugendamt, Olaf Kordecki vom Caritas-Verband, Stefanie Hildebrandt-Möller (SOS-Kinderdorf), Leiterin des Familienzentrums Süd, Elke Heckmann (BeKA), Leiterin den Zentrums Ost, und Claas Ohnesorge, Geschäftsbereichsleiter der GPS, im Gespräch mit der WZ.

Aufgabe der Familienzentren ist es, Anlaufstelle in den vier Sozialräumen zu sein, ein zwangloser Treffpunkt, aber auch Anlaufpunkt für Beratung in schwierigen Lebenslagen und bei Erziehungsfragen, ferner als Vermittlungsstelle zu anderen Hilfseinrichtungen zu fungieren. Dabei arbeiten die Familienzentren wiederum mit Kindertagesstätten und Schulen sowie sozialen Einrichtungen zusammen und kommen mit Angeboten dorthin.

Der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Familien, wobei der Bedarf sich in den Stadtteilen durchaus unterscheidet. So hat das Familienzentrum Süd in Bant vor allem auch mit den Sorgen und Nöten von Familien mit Migrationshintergrund zu tun.

Während die Verwaltung vor zehn Jahren, insbesondere in Gestalt des damaligen Referatsleiters Carsten Feist, heute Oberbürgermeister, die Gründung der Familienzentren gewünscht und nach Kräften unterstützt habe, habe sich die Politik zunächst skeptisch gezeigt und das Projekt, für dessen Kosten allein die Stadt aufkommt, zunächst auf fünf Jahre befristet, erinnert sich Rüdiger Schaarschmidt. Doch zeigten die Fakten, welch positiven Beitrag die Familienzentren zur Lösung vieler sozialer Probleme zu leisten imstande seien. Obwohl die Zahl unterstützungsbedürftiger Familien in diesem Zeitraum zugenommen habe, stagnierten die Zahlen der Einsätze ambulanter unterstützender Angebote der Jugendhilfe oder gingen zurück.

Hartmut Siefken
Hartmut Siefken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung