Wilhelmshaven - Für den Sommerhit 2020 wird es vermutlich nicht reichen, aber in die Charts soll es gehen. Das zumindest ist das Ziel der Wilhelmshavener Musikszene. Vor einem Monat präsentierte die ihr vielbeachtetes Video „With a little help from my friends“. Seit Montag nun steht die dazugehörige Single in allen gängigen Online-Musikportalen zum Download bereit. Der Angriff auf die Charts beginnt.
Mit dem Video wollten die Wilhelmshavener ein visuelles Lebenszeichen von sich geben. Weil der Kulturbetrieb über Wochen gänzlich brach lag, waren auch die Musiker aus der Öffentlichkeit verschwunden – schade für das Publikum, weitaus schlimmer für die Protagonisten. Das Verbot von Konzerten (und anderen Veranstaltungen) ließ die für viele Musiker wichtigste Einnahmequelle versiegen.
Vor diesem Hintergrund organisierte die Wilhelmshaven Touristik und Freizeit (WTF) ein Musikfestival für Ostern 2021 mit Band und Solokünstlern aus der Jadestadt. Das Geld aus den Ticketverkäufen fließt direkt in die Kassen der Musiker. Dann kam das Video – als zusätzliche Werbung. „Wir wollten nicht zu denen gehören, die sich über die aktuelle Situation nur beklagen, auch wenn es gute Gründe dafür gibt. Wir wollten lieber ein positives Zeichen setzen“, sagt Peter Koobs.
Der Gitarrist und Produzent hatte gemeinsam mit Ralf „Pete“ Lübke die musikalische Federführung des Projektes übernommen, mit Joe Cockers Version des Beatles-Hits „With a little help from my friends“ auch gleich den Song ausgewählt. Rund 40 Musiker spielten die ihnen zugedachten Sequenzen vor der Kamera ein, coronabedingt jeder für sich. Aus den Versatzstücken schnitt Heiko Krebs das Video zusammen, das auf YouTube inzwischen knapp 30.000 Klicks auf sich vereint. Mit dem Streamen folgt nun der nächste Schritt.
„Wir wollen versuchen, mit dem Song in die Charts zu kommen“, sagt WTF-Geschäftsführer Michael Diers. Wie viele Downloads es dafür braucht, wisse er zwar nicht, „aber wir haben den Titel auf wirklich allen gängigen Formaten eingestellt. Und da gibt es unfassbar viele! Von einigen hab’ ich noch nie gehört.“
Ob „With a little help...“ tatsächlich der Sprung in die Charts gelingt? „Das ist nicht so leicht“, weiß Peter Koobs. „Es kommt immer auch auf den Zeitpunkt an, wann ein Song erscheint. Was ist gerade angesagt? Welche Konkurrenz gibt es? Das sind so Fragen, die sich nicht einfach beantworten lassen.“
Würde man CD-Verkäufe als Basis heranziehen, dann müssten in der ersten Woche mindestens 600 Stück verkauft werden, um in den Top-50 aufzutauchen. „Aber bei Downloads ist das schwer zu sagen“, erklärt Koobs. Trotzdem: Die Chance sei da. „Außerdem finde ich es grundsätzlich sehr gut, dass der Song den Leuten jetzt über die verschiedenen Portale zugänglich gemacht wird.“
Ganz ähnlich bewertet Ralf Lübke die Ausgangsposition. „Aber wenn alle, die sich das Video angesehen haben, nun auch den Song downloaden, wäre das sicher ein großer Schritt. Und es wäre auch ein großartiges Zeichen, eine Form von gelebter Solidarität gegenüber den Musikern.“
Dass zwischen der Veröffentlichung des Videos und den jetzigen Download-Angeboten gute vier Wochen Zeit verstrichen sind, sei nichts Ungewöhnliches, sagt Peter Koobs. „Als wir das Video hatten, war von einem möglichen Online-Streaming ja noch gar nicht die Rede.“ Es brauche ohnehin immer bis zu zwei Wochen, bevor ein Song in den Portalen eingestellt sei. „Das wird immer erst von 1000 Leuten geprüft“, weiß der Musikprofi. Selbst wenn es bei der Videoveröffentlichung schon entsprechende Ambitionen gegeben hätte, stünde ein Download erst seit kurzem bereit.
Zu viel Konjunktiv: Seit Montag kann sich jeder Wilhelmshavens Cocker-Adaption herunterladen – hundertprozentig. Und je mehr es umgehend tun, desto besser.
