Wilhelmshaven - Bei der Peine GmbH gehen die Lichter aus. Das Amtsgericht Wilhelmshaven hat für das Herren-Bekleidungsunternehmen zum 1. April das Insolvenzverfahren eröffnet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Waculik (Jever) wurde zum Insolvenzverwalter bestellt.
Er bedaure sehr, dass die Suche nach einem Investor für das in Schieflage geratene Unternehmen in den vergangenen Wochen nicht erfolgreich war, sagte Waculik im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Betrieb werde mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die rund 50 Mitarbeiter müssten entlassen werden.
Zuletzt hatte es noch im Barutti-Fabrikverkauf in der Ebertstraße einen Räumungsverkauf gegeben, der auch sehr gut angenommen worden sei, so Waculik. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir noch eine Sonderaktion machen. Aber vorerst ist auch der Fabrikverkauf geschlossen.“
Die Insolvenzeröffnung dürfte das Ende der Bekleidungsindustrie in Wilhelmshaven bedeuten. Die Peine GmbH produzierte Herrenoberbekleidung unter den Markennamen Barutti und Masterhand in China und hatte mehrere Außenstellen im europäischen Ausland. Hauptgesellschafter der GmbH war zuletzt die chinesische Shandong Ruyi Technology Group, die wohl auch für die Forderungen an die deutsche Tochter gerade stehen muss. Nach überschlägigen Berechnungen von Waculik belaufen sich die Schulden auf rund 48 Millionen Euro. Der Insolvenzverwalter ist skeptisch, ob sich diese Forderungen realisieren lassen. Zum einen gebe es seit Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens so gut wie keine Kontakte zu den Chinesen, zum anderen soll die Shandog Ruyi Group selbst wirtschaftliche Probleme haben.
Mit dem Wilhelmshavener Traditionsunternehmen Peine hatte die Peine GmbH ohnehin – bis auf den Namen – sogut wie nichts mehr gemein. Die ehemals als ausgesprochen umsatz- und renditestark geltende Peine-Gruppe war 2006 verkauft worden. Seinerzeit übernahm die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft Steadfast Capital im Rahmen eines Management-Buy-Out sämtliche Anteile von Markus Peine, dem damaligen Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer der Peine-Gruppe. Lediglich die Immobilien blieben im Besitz der Familie Peine.
2009 die erste Insolvenz der sieben der Peine-Gruppe angeschlossenen Unternehmen. 2010 erwarb die US-amerikanische Investmentgesellschaft Gordon Brothers International die Mehrheit und firmierte das Unternehmen in Peine GmbH um. 2013 übernahm Privatinvestor Jan Dieter Leuze Anteile und Geschäftsführung der Peine GmbH. Er fädelte eine strategische Partnerschaft mit Shangdong Ruyi ein. Nach dem Rückzug Leuzes im September 2014 hielten die Chinesen 84 Prozent der GmbH. Im Januar dieses Jahres dann – wohl auch corona-bedingt – die neuerliche Schieflage.
