Wilhelmshaven - Duschgel, Schuhe, Konservendosen, Hundefutter, Taschentücher. Rasend schnell füllen sich große Pappkartons, die auf dem Betonboden einer Halle auf dem KSW-Gelände stehen. Daneben stapeln sich Säcke mit Kleidung und Decken. Es sind Sachspenden von Bürgerinnen und Bürgern aus Wilhelmshaven und Friesland – bestimmt für die Menschen in der Ukraine.
„Alle packen hier freiwillig mit an, weil sie nicht einfach zu Hause sitzen wollen“, erzählt Aleks Ignatowicz. Die Familie der 37-Jährigen stammt aus Polen, hat Freunde und Bekannte in der Ukraine. Nicht zuletzt deshalb müsse sie jetzt helfen. Den Sammelposten hat die Wilhelmshavenerin praktisch über Nacht auf die Beine gestellt – als Ableger einer Privatinitiative der Jeveranerin Vania Haase (die WZ berichtete). Von Jever aus werden auch die Transporte zentral nach Polen starten. Ziele sind Krakau und Danzig. Anschließend werden die Hilfsgüter an die ukrainische Grenze gebracht.
Auf eine Sammelstelle in ihrer Nähe haben viele Wilhelmshavener offenbar gewartet. Autos fahren vor, Menschen laden Säcke und Kartons aus. Fest steht: Schon jetzt wird wohl keine Kleidung mehr benötigt. Stattdessen weiterhin unter anderem Hygieneartikel, Decken, Reisebetten, Schlafsäcke, Konserven, Babynahrung – und Geld für Benzin. „Wir hatten kaum aufgeschlossen, da standen die ersten Spender vor der Tür“, erzählt Martina Karwetzky. Die 59-jährige Wilhelmshavenerin hat sich spontan der Gruppe angeschlossen. Viele kennen sich – und alle organisieren sich über Facebook und WhatsApp.
So hat auch Merle Mänz aus Neustadtgödens von der Aktion erfahren. Die 58-Jährige hat Wolldecken, Kleidung und Bettlaken dabei. Tags zuvor war sie noch in einer Drogerie und hat Hygieneartikel eingekauft. „Beim Packen der Kartons habe sie wütend an Putin gedacht – und dabei keine nette Worte im Sinn gehabt, erzählt die Frau und schleppt die Kartons in die Halle.
Aleks Ignatowicz steht indessen vor der Halle und telefoniert. Ein Freiwilliger hat sich gemeldet. Er kann einen 40-Tonner fahren. Dann steht plötzlich ein junger Mann vor der Lagerhalle, er stellt sich als Kevin vor: „Ich habe keine Spenden dabei, aber ich habe Zeit“, sagt der 26-Jährige. Der Wilhelmshavener kommt gerade von der Arbeit, hat sich die kommenden Tage frei genommen. Keine Minute und er steht schon hinten in der Halle und sortiert Kleidungsstücke.
„Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend“, sagt Ignatowicz. Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, dass es Probleme geben wird: Sie sollen die Halle räumen. Die weiteren Sammeltermine stehen auf dem Spiel. Wieder wird die Wilhelmshavenerin am Telefon hängen und versuchen, eine Lösung zu finden.
Die gute Nachricht: Die Initiative darf auf dem KSW-Gelände an der Helmholzstraße bleiben. Dort werden heute von 10 bis 18 Uhr und am Freitag, 10 bis 13 Uhr, weiter Spenden entgegengenommen.
