Wilhelmshaven - Sehr stürmisch, mild und nass – so lässt sich die Witterung in diesem Februar schnell und treffend mit wenigen Worten zusammenfassen. Die atlantische Wetterküche brodelte auf Hochtouren und hielt praktisch über den gesamten Monat hinweg eine milde südwestliche Strömung in Gang.
Immer wieder zogen darin eingelagert schwere Sturm- und Orkantiefs vom Atlantik über die Nordsee nach Skandinavien. Im Gepäck hatten diese Winterstürme nicht nur viele Wolken und Wind, sondern sie brachten auch flächendeckend beträchtliche Mengen an Niederschlag mit.
In Verbindung mit erhöhten Wasserständen an der Nordseeküste (Sturmfluten) ließ der ergiebige Regen viele Entwässerungsgräben bis zur Oberkante ansteigen, weil die Pumpen der Siele trotz Dauerbetrieb nicht mehr gegen die immensen Wassermassen ankamen. Mancherorts standen ganze Wiesen unter Wasser. An der privaten Wetterstation Wilhelmshaven-Sengwarden kamen bis zum Stichtag satte 150,7 Millimeter zusammen.
Der Deutsche Wetterdienst meldete im gleichen Zeitraum an seinen Stationen im Umland sogar noch höhere Niederschlagsmengen: Wittmund-Abens maß 176 Millimeter und Bockhorn-Grabstede sogar 192 Millimeter. Im Vergleich zum Mittelwert der derzeit angewendeten Referenzperiode 1961 bis 1990 (45 Millimeter) ist das mehr als die vierfache Menge.
Zum dritten Februarwochenende wurde mit Durchzug des Orkanwirbels „Zeynep“ der Höhepunkt der ungewöhnlichen Sturmserie erreicht. Im Wilhelmshavener Stadtgebiet erreichten die Böen verbreitet Windstärke elf – entsprechend 110 Kilometer pro Stunde. Der Friesendamm blieb für mehrere Tage voll gesperrt. An der Küste und auf den ostfriesischen Inseln tobte der Sturm mit voller Orkanstärke (zwölf Beaufort) und spülte große Teile der Inselstrände weg.
Die Windrose für den Berichtsmonat spiegelt die lebhafte Wetterlage eindrucksvoll wider. Der Wind wehte in der Jadestadt zu gut 90 Prozent aus Richtungen zwischen Süd und West. An zehn Tagen wurde Windstärke acht erreicht beziehungsweise deutlich überschritten. Für kurze Zeit mogelte sich auf der Rückseite der zahlreichen Sturmwirbel auch mal polare Höhenkaltluft aus dem Nordwesten herein, so dass sieben Tage mit Graupelschauern in der Jadestadt gezählt wurden.
Zweimal gab es kurze Wintergewitter. Der andauernde Wind ließ im gesamten Februar keinen Nebel zu. Die Bilanz des meteorologischen Winters 2021/22 ist eindeutig. Schnee und frostig kalte Temperaturen hatten kaum eine Chance. Im Zeitraum vom 1. Dezember bis zum 28. Februar war es mit 4,9 Grad exakt drei Grad zu mild und treffgenauen 300 Millimetern zugleich auch deutlich zu nass (158 Prozent).
Mit kräftig ansteigendem Luftdruck und Winddrehung auf Südost stimmten die letzten Tage des Februars versöhnlich. Man konnte bei reichlich Sonnenschein gut spüren, dass nun endlich der Frühling in den Startlöchern steht.
Zum Märzbeginn dominiert weiterhin Hochdruckeinfluss in Mitteleuropa und die Wettercomputer sind optimistisch. Sie versprechen bis in die zweite Märzwoche hinein zwar kühles, aber deutlich ruhigeres Wetter.
Hobbymeteorologe Michael Dittmann erstellt seit 1997 den monatlichen und den jährlichen WZ-Rückblick.
