Wilhelmshaven - In den letzten Tagen und Wochen mussten die Wilhelmshavener sich mit einem Wetter abfinden, bei dem man üblicherweise keinen Hund vor die Tür jagt. Ein Grüppchen Jadestädter ging und geht dem oftmals schaurigen kalten Regen auf eine sehr spezielle Art und Weise aus dem Weg: Die maximal sechs Frauen und acht Männer begeben sich zur Hochwasserzeit zum Südstrand, ziehen sich in der DLRG-Wachstation am Fliegerdeich Badehose beziehungsweise Badeanzug an und laufen schnurstracks in die Jade. So wie auch gestern wieder, und ebenfalls die zwei Sturmtage zuvor - da sei das Wasser allerdings ziemlich bewegt gewesen.
Die Winterschwimmer haben sich vor rund 15 Jahren zusammengefunden, die meisten kannten einander vorher nicht. Wir haben im Sommer auf dem Rasen am Deich bei dem Gebäude gelegen, in dem sich das Wasserwirtschaftsamt befand und uns im Herbst, als es kühler wurde, gefragt: ,Wie lange können wir wohl noch schwimmen??,erinnert sich Erwien Pieper. Und dann war auf einmal Heiligabend, das Wasser hatte vier Grad und wir waren immer noch da.
Bis 0 Grad Celsius hatten die inzwischen Abgehärteten das Vergnügen im Salzwasser; Seen wären da schon längst von einer Eisschicht überzogen. Bisweilen hatten wir das Gefühl, als wenn wir in einer Art Softeis schwimmen. Manchen Südstrandspaziergänger fröstelte es schon beim Zusehen. Einige Fotos, an die Innentür der DLRG-Unterkunft geklebt, dürften diesen Effekt selbst in der Sommerzeit haben: Sie zeigen zum Beispiel Wilfried Meier, wie er sich zwischen treibenden Eisschollen tummelt.
Erwin Pieper, der zur Zeit aus gesundheitlichen Gründen den Gang ins Wasser ausfallen lässt, erklärt, weshalb man es in dieser Jahreszeit in der Jade aushalten kann: Die Regelmäßigkeit macht?s. Man trägt dann auch einen Langzeiteffekt in sich. Selbst bei jemandem, der vier Wochen im Winter aussetzt, funktioniert es. War man aber zuletzt bei 20 Grad Nordseetemperatur schwimmen und will es erst wieder bei 3 Grad versuchen, fühlt man sich wie in einem Schraubstock und bekommt keine Luft.
Als gestern sechs der Winterschwimmer, darunter mit 77 Jahren als Ältester der ehemalige Heppenser Pastor Hans-Helmut Schmidt, in die Fluten tauchen, gesellt sich auf einmal auch ein Seehund dazu. Unser Freund, wissen die Badenden. Denn der Seehund ist desöfteren ihr Begleiter. Anfangs hat sich einer der Schwimmer einmal irritieren lassen und gemeint, ein neues Mitglied der Schwimmergruppe sei mit schwarzer Badekappe aufgetaucht.
In der Dämmerung kann das natürlich leicht passieren. Je nach Hochwasserzeit ist die Gruppe dann ebenfalls am Südstrand zu finden - und abends mit Beleuchtung, verweist Heinrich Royer, der vor einem Jahr hinzustieß, auf mitgebrachte Lampen. Dann bleiben wir allerdings dicht beieinander und zählen vor dem Landgang noch einmal durch.
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