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Wilhelmshavener Rettungsdienst „Wir sind für Notfälle da und nicht für eingewachsene Nägel oder Fieber“

Wilhelmshaven - Der Wilhelmshavener Rettungsdienst gerät langsam an seine Belastungsgrenze. Das liegt auch daran, dass die Zahl der Notrufe in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Es ist ein bundesweites Problem, das anderswo sogar schon beinahe zum Systemzusammenbruch geführt hat. Das soll in Wilhelmshaven verhindert werden, indem nun frühzeitig gegengesteuert wird.

Wie ist die Situation in Wilhelmshaven?

In Wilhelmshaven sind tagsüber vier und nachts zwei Rettungswagen in ständiger Bereitschaft. Diese werden von der Berufsfeuerwehr, dem Roten Kreuz, den Maltesern, den Johannitern und dem Arbeiter-Samariter-Bund betrieben. Sollten zu Spitzenzeiten mehr Rettungswagen benötigt werden, gibt es eine Reserve. Dann greift eine Besonderheit der Wilhelmshavener Berufsfeuerwehr. Deren Einsatzkräfte sind allesamt auch für den Rettungsdienst ausgebildet. „Die Kollegen ziehen dann die Feuerwehr-Uniform aus und die Rettungsdienst-Uniform an“, erklärt Josef Schun, Chef der Feuerwehr im Gespräch mit der WZ anschaulich. Eigentlich sollte das nur im Notfall vorkommen, inzwischen passiert das allerdings regelmäßig, da immer mehr Notrufe eingehen.

Woran liegt das?

Dass Rettungsdienste durch die steigende Zahl von Notrufen überlastet sind, ist ein deutschlandweites Phänomen und eine Entwicklung der vergangenen zwei bis drei Jahre. Woran es genau liegt, sei noch unklar, sagt Schun. Die Einsatzkräfte in Wilhelmshaven beobachten allerdings, dass immer mehr Menschen einen Rettungswagen rufen, die gar keinen brauchen. „Wir sind für Notfälle da, sprich für sehr schwere oder lebensbedrohliche Erkrankungen oder Verletzungen und nicht für eingewachsene Nägel oder Fieber.“ Soll das ein Scherz sein? Nein, bestätigt Schun. Es sei tatsächlich schon vorgekommen, dass wegen so etwas der Rettungsdienst angerufen wurde.

Wie reagiert dieLeitstelle darauf?

„Wir haben wirklich exzellent ausgebildete Leute in der Leitstelle sitzen, die oft sehr gut einschätzen können, ob wirklich ein Rettungswagen rausfahren muss“, sagt Schun. Den Kollegen, die sehr viel Verantwortung für die Stadt übernehmen, sei es zu verdanken, dass es nicht schon viel schlimmer aussieht. In vielen anderen Städten gibt es das nicht, weil dort mit computergestützten Systemen gearbeitet wird. Dort geben die Kollegen in der Leitstelle nur die Symptome in den Computer ein und der sagt dann, ob ausgerückt wird oder nicht, erklärt Schun. „Da haben die Kollegen dann gar keine Wahl mehr.“ Der Feuerwehr-Chef betont allerdings, dass es auch für die erfahrenen Kollegen in der Wilhelmshavener Leitstelle immer schwieriger wird: „Manche Menschen wissen einfach, welche Symptome sie angeben müssen, damit der Rettungswagen geschickt wird“, sagt Schun. Hinterher stelle sich dann manchmal raus, dass es alles gar nicht so schlimm war.

Schun sagt, die Selbsthilfefähigkeit vieler Menschen lasse nach. Dass sei ein gesellschaftliches Problem, dessen Ursache noch unklar ist und für das es auch keine schnelle Lösung gäbe. Dennoch müssten die Folgen, die das hat, angegangen werden.


Wie soll das Problemgelöst werden?

Der Rat der Stadt wird deswegen heute über die Erstellung eines neuen Rettungsdienstbedarfsplans abstimmen. Wenn der Beschluss angenommen wird, könnte eine dafür spezialisierte Firma prüfen, wie viele Rettungswagen künftig in Wilhelmshaven im Einsatz sein müssen.

Der aktuelle Plan stammt noch aus der Vor-Corona-Zeit. Seitdem habe sich die Situation allerdings stark zugespitzt, sagt Schun. Die Feuerwehr begrüßt deshalb den von der SPD-Fraktion eingebrachten Vorschlag zur Erarbeitung eines neuen Plans sehr. Die Kosten dafür könnten aus dem laufenden Budget der Feuerwehr gestemmt werden, erläutert der Feuerwehr-Chef. Wenn alles glatt geht, hätte die Wilhelmshavener Feuerwehr im Frühjahr des kommenden Jahres Klarheit.

Suntke Pendzich
Suntke Pendzich Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung
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