Wilhelmshaven - Was war Achilles? Wer den Begriff hört, denkt wahrscheinlich am ehesten an den griechischen Sagenhelden, aber weniger an ein Unternehmen, das in Wilhelmshaven im großen Stil Fahrräder und motorisierte Zweiräder herstellte. Thomas Lemke hat sich das Ziel gesetzt, dieses Stück Stadtgeschichte zu bewahren. Dazu sammelt er jetzt Exponate, die an dieses Werk erinnern.
Rasante Geschichte
„Ich bin kein Sammler alter Mopeds. Mir geht es darum, ein Stück Wilhelmshavener Wirtschaftswundergeschichte in Erinnerung zu halten“, betont Thomas Lemke. Vor zwei Jahren wurde er durch Zufall stolzer Besitzer eines Achilles-Fahrrades, Baujahr 1950. Fortan begann er sich für die Geschichte des betagten Drahtesels zu interessieren: „Ich stieß auf eine Wilhelmshavener Firma, die innerhalb kürzester Zeit vollständig in Vergessenheit geriet, obwohl zu Hochzeiten rund 500 Mitarbeiter beschäftigte“, erzählt er. Es waren die rasanten Entwicklungen der Wirtschaftswunderjahre, die nicht nur immer wieder zur Neugründung von Firmen, sondern auch zum Konkurs auch traditionsreicher Unternehmen führte. So schlossen sich in 1957 auch die Tore der Achilles-Werke für immer.
Zuvor allerdings hatte die Firma, die bereits 1894 in Sandau gegründet und 1948 in Wilhelmshaven als Achilles-Werke Weikert & Co. KG neu gegründet wurde, ein buntes Potpourri der unterschiedlichsten Zweiräder, mit und ohne Motor, herausgebracht „Sie entsprachen damit dem steigenden Wunsch nach Motorisierung“, berichtet Thomas Lemke. Die Roller, Mopeds, Fahrräder mit Hilfsmotor oder Motorräder wurde international vertrieben.
Ausstellungsort gesucht
Seither sammelt Thomas Lemke alles, was einen Bezug zu der Wilhelmshavener Firma hat – angefangen von alten Werbeanzeigen und -Plakaten, Rechnungen und Katalogen über Fotografien und anderen Dokumenten bis hin zu den Fahrzeugen oder Ersatzteilen. Sogar die Tischuhr von Ernst Weikert, der 1926 Firmenchef wurde, ist im Besitz des Projektes. „Ziel soll es sein, eine Achilles-Werke-Stiftung und einen Achilles-Werke Förderverein zu gründen. Und es wird ein Platz für eine Dauerausstellung gesucht“, formuliert er die Ziele.
Bis dahin ist er unermüdlich auf der Suche nach Exponaten, die noch in alten Garagen, Kellern oder auf Dachböden schlummern. Alles ist willkommen, um die Erinnerung wachzuhalten. Und schon jetzt kann auch die Öffentlichkeit teilhaben, denn unter www.achilles-werke.de ist im Internet museal aufbereitet zu sehen, was bisher zusammen getragen wurde. Dazu gibt es eine Fülle von Informationen sowie Interviews und Filme mit Zeitzeugen. Über die Seite gibt es auch Kontaktmöglichkeiten, wenn man Thomas Lemke mit Exponaten für sein Projekt unterstützen möchte.
