Wilhelmshaven - Ein Jahr Vorbereitung hat die letzte Ausstellung des Jahres der Kunsthalle benötigt. „Trade Show“, so der Titel, wurde von den amerikanischen Künstlern Chloë Bass und Bill Dietz konzipiert. „Beide sind in ihrem jeweiligen Bereich echte Hochkaräter“, weiß Kunsthallen-Leiterin Petra Stegmann. Beide verstünden Kunst als soziale Interaktion. Und genau diese Grundidee steckt auch hinter „Trade Show“.
Während der Vorbereitung haben Bass und Dietz Wilhelmshaven sehr gut kennen gelernt – kennen lernen müssen, denn dieses Wissen ist maßgebend für die Ausstellung. Denn hinter „Trade Show“ verbirgt sich ein Austausch. Das kreative Duo wählte aus der städtischen Kunstsammlung Arbeiten aus, um sie an ganz alltäglichen Orten zu präsentieren. Im Gegenzug halten Dinge aus diesen Orten Einzug in die Kunsthalle. „Es hat einen Austausch mit ganz verschiedenen Akteuren in der Stadt gegeben“, erklärt Stegmann. Das fördere die Vernetzung in beziehungsweise mit der Stadt, während die Kunst selbst ihre Komfort-Zone, ihren „Elfenbeinturm“ verlasse. Stattdessen gibt es nun Kunstwerke in einer Fabrik, einem Kiosk, einem wissenschaftlichen Institut, bei der Künstlersozialkasse, in einem Fotostudio, einem Privathaus und einem Imbiss zu sehen – soweit diese Orte frei zugänglich sind. „Im Prinzip verteilt sich die Kunsthalle in den kommenden Wochen auf die ganze Stadt. In dieser Zeit kommt die Kunst zum Besucher und nicht umgekehrt“, sagt Michael Diers, Geschäftsführer der Wilhelmshaven Touristik und Freizeit (WTF).
Was ist Kunst? Wie lässt sich deren Wert bemessen? Ist Kunst nur deshalb Kunst, weil die in einer Kunsthalle hängt? Das sind nur einige der Fragen, die Bass und Dietz mit ihrer Ausstellung zur Diskussion stellen. Ein Aktenwagen mit ausgemusterten Büromaterialien, ein elektrisches Dönermesser oder auch ein schwedischer Brotkorb – alles Alltagsgegenstände, die üblicherweise nicht mit Kunst in Verbindung gebracht werden. Üblicherweise, denn die beiden Amerikaner machen genau das. Auf großformatigen Fotos zeigen sie, wo die von ihnen ausgewählten Werke aus der städtischen Kunstsammlung, unter anderem von Christo, Marcel Duchamp und Meret Oppenheim, ihren Platz gefunden haben. Dazu gibt es kleine Texte, die zwar nicht mit dem Exponat selbst, aber mit der dahinter stehenden Idee zu tun haben. Begleitet wird die Präsentation in der Kunsthalle von einer Sound-Collage. Sie setzt sich aus Aufnahmen zusammen, die Brass und Dietz während der Foto-Shootings an den ausgewählten Orten gemacht haben. Die eigenen Gespräche habe man herausgefiltert und 1 zu 1 durch Stille ersetzt, erklärt Dietz. „Trade Show“ kann bis zum 12. Januar besucht werden.
