Wilhelmshaven - Seit die Lehrer der Rütli-Schule vor fünf Jahren in einem Brief an den Berliner Bildungssenator darum baten, ihre Schule zu schließen, weil sie der von den Schülern ausgehenden Gewalt nicht mehr Herr werden konnten, hat der Bezirk in Berlin traurige Berühmtheit erlangt.

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister, Heinz Buschkowsky (SPD), war gestern als Festredner zur Präventionsmesse Wilhelmshaven sicher! gekommen. Denn es gibt Parallelen zwischen Berlin-Neukölln und Wilhelmshaven: Probleme mit der Integration von sozialschwachen Zuwandererfamilien.

In Neukölln leben etwa 150 000 Migranten aus 163 verschiedenen Nationen. Das macht etwa 40 Prozent der Bevölkerung in dem Bezirk aus und ist etwa doppelt soviel wie die Gesamteinwohnerzahl von Wilhelmshaven. Um diese Zuwandererfamilien zu integrieren, richtet man das Augenmerk in Neukölln auf die Kinder. Wir versuchen, die Kinder gegen ihre Eltern zu emanzipieren und schauen dann, ob die Erziehunsgberechtigten ansprechbar sind, erklärte Buschkowsky. Das Problem seien bildungsferne Familien, in denen die Kinder nicht selten die einzigen seien, die morgens aufstünden und in denen die deutsche Sprache keine Rolle spiele.

Mit einem Mitmachzirkus, in dem jeder Neuköllner Grundschüler eine Woche lang Dinge wie Solidarität und Zuverlässigkeit, aber auch Selbstvertrauen lernen soll, mit Stadtteilmüttern, die Familien zu Hause besuchen, die einem deutschen Mitarbeiter der Stadtverwaltung niemals die Haustür öffnen würden, oder mit einem Wachdienst an Schulen, der von außen kommende Gewalt verhindern soll, machte Neukölln von sich reden.

Wir müssen den Kindern Alternativen dazu aufzeigen, ab Mittag vor dem Fernseher zu sitzen, sagte Buschkowsky. In seinem Bezirk versuche man außerdem, so viele Kinder wie möglich aus den Fängen der Koranschulen und aus dubiosen Religionskreisen zu befreien. Buschkowsky plädiert für Ganztagsschulen - auch die Rütli-Schule läuft inzwischen erfolgreich im Ganztagsbetrieb - und für die Kindergartenpflicht ab einem Jahr.


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Kristin Hilbinger
Kristin Hilbinger Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt