Wilhelmshaven - Als die GEW 1986 die ersten Windräder im Jade-Windpark errichtete, da war das „Pionierarbeit für Wilhelmshaven“, blickt Christian Kucklick, Pressesprecher des Versorgers, zurück. Standort und Technik haben sich längst etabliert, letztere aber schreitet naturgemäß immer weiter voran. So startete 2001 mit dem Repowering (modernere und effektivere Anlagen) eine zweite Etappe, nun folgt eine dritte.
Bislang drehten sich zwei Windräder für die GEW, die jeweils zwei Megawatt Strom lieferten. Künftig wird es nur noch eine Anlage sein – mit einer Nabenhöhe von 135 Metern und einer Rotorenlänge von 127 Metern deutlich größer (bislang 98 und 70 Meter), vor allem aber weitaus effizienter. Das eine neue Rad liefert allerdings weitaus mehr Strom als die beiden alten zusammen. „Damit können 2600 Haushalte versorgt werden“, weiß Renate Lütten von Enercon, Realisierungspartner der GEW.
Bevor das neue Rad allerdings gebaut werden kann, müssen die beiden alten weichen. Die Rotoren wurden bereits demontiert, am Montagnachmittag nun werden die verwaisten Türme gesprengt. Dabei ähnelt dieser Vorgang dem Fällen eines Baumes. In die Seite, in die die Türme fallen sollen, werden große Keile gesägt und dann jeweils mit gut zehn Kilogramm Sprengstoff versehen, erläutert Jan Müller von der Bauleitung. Beide Türme sollen parallel gesprengt werden, um es akustisch nur einmal knallen lassen zu müssen. Die Stahlbeton-Kolosse fallen in einem Stück, große Sandberge sollen den Aufprall dann abdämmen.
Neue Anlage soll im zweiten Quartal 2021 ans Netz gehen
Bereits 2016 wurde mit den Planungen für das zweite Repowering begonnen. Unzählige Gutachten seien nötig, um ein solches Projekt realisieren zu können, sagt Renate Lütten. „Der Mensch ist der entscheidende Faktor“, ergänzt Jens Link von der GEW. Würden etwa Lärm oder der Schattenwurf der Rotoren die Lebensqualität stören, seien das Ausschlusskriterien. Diese Probleme aber gibt es im Jade-Windpark nicht.
Auch alle anderen notwendigen Gutachten hielten den hohen Ansprüchen stand, so das man Anfang 2019 in die vorgelagerte Ausschreibung gehen und diese auch gewinnen konnte. Läuft alles nach Plan, wird das neue Windrad bereits im zweiten Quartal 2021 Ökostrom einspeisen. Fünf Jahre von der Planung bis zur Fertigstellung – das sei eher schnell, macht Lena Trebesch (Enercon) klar.
Mit dem Neubau arbeite die GEW ein bisschen „gegen den Trend“, wie es deren Pressesprecher formuliert. Grundsätzlich nehme der Zubau an Windrädern nämlich massiv ab. „Bis 2025 fallen rund 30 Prozent der Windräder aus der EEG-Förderung (Erneuerbare-Energien-Gesetz, Anm. d. Red.) heraus“, weiß Kucklick. Die GEW aber wolle die Windenergie weiterhin hochhalten.
