Wilhelmshaven - Wilhelmshaven/MEH/TK - Der Schützenverein war eigens für den Besuch der Nimitz aus Tirol angereist. In voller Montur wollten die Schützen den Soldaten des US-Flugzeugträgers mit einem Salutschießen eine Freude machen. Nun ja, vielleicht war das aber nicht so eine gute Idee. Bedenkt man, dass die rund hundert Tiroler dafür ihre Waffen mit an Bord nehmen wollten. Das ging natürlich nicht, sagt Karl-Heinz Schulze. Als Vorsitzender des Marine-Portepee-Unteroffizierskorps Wilhelmshaven (MPU) begleitete er die Delegation 1986 bei ihrem Besuch. Die Schützen mussten vor Betreten des Flugzeugträgers ihre Waffen und ihre Säbel ablegen.
Mehr Erfolg hatte Karl-Heinz Schulze da mit seinem Fest, dass das MPU für die Amerikaner gab. Es war ein Tanzabend im Nato-Saal des Stützpunktes. Dazu hatte man einen Aufruf über das Radio geschaltet und ledige Damen eingeladen. 42 waren gekommen, erinnert sich der langjährige erste Vorsitzende des MPU, aber auch ein paar zwielichtige Gestalten.
Dass einige Soldaten mit eben diesen zwielichtigen Damen keine großen Probleme hatten, erfuhr Jürgen Pasche. Er organisierte mit der Marinekameradschaft Horumersiel im selben Jahr unter anderem einen Besuch in Hamburg für 30 Besatzungsmitglieder der Nimitz. Natürlich ging es dort auf die Reeperbahn, sagt er.
Am Eingang der Herbartstraße verabschiedeten sich die Deutschen von den Amerikanern. Wir wollten die Soldaten in einer Stunde wieder dort abholen, erinnert sich Jürgen Pasche. Da kam auch schon der Einwand eines jungen Mannes: Ich brauche nur 15 Minuten. Fortan hatte der Amerikaner seinen Spitznamen weg: Wir nannten ihn nur noch Mr. 15-minutes.
15 Minuten waren es auch, die Günter Marggraf zu einem besonderen Erlebnis mit der Nimitz verhalfen. In etwa so lange brauchte nämlich ein Amerikaner 1975, um sich an einer Tankstelle nahe der Grenze zur DDR eine Mitfahrgelegenheit nach Wilhelmshaven zu sichern im Auto von Günter Marggraf und seinem Begleiter. Sein Wagen war liegengeblieben, also nahmen wir ihn mit, erzählt Günter Marggraf. Ein wenig verdächtig kam der Amerikaner den beiden aber vor: Er hatte nicht mal Gepäck dabei. Während der Fahrt war der Gast schweigsam, bis er endlich erzählte, von der amerikanischen Militärbasis in Berlin zu sein. Als Spezialist für Spionage- und Attentatsabwehr sollte er sich auf der Nimitz melden. Ich habe hinterher viel darüber nachgedacht, ob er wirklich aktiv war, sagt Günter Marggraf. Eine Antwort hat er nicht bekommen.
Mit Schinkenbrot und Mett verbindet hingegen Alfred Stamm den Besuch des Flugzeugträgers. Als die Nimitz das erste mal nach Wilhelmshaven kam, fuhr er mit einer Barkasse Besucher zum Schiff. Die kamen aus ganz Deutschland, um einen Blick auf den Giganten zu werfen.
Alfred Stamm erinnert sich aber vor allem an jenen Sommertag, als er einem US-Offizier eine Limonade with something in anbot. Der Amerikaner stand in der gleißenden Sonne und nahm das Angebot gerne an. Alfred Stamm lud ihn ein, zu sich an Bord zu kommen. Die Harmonie stimmte. Wie sich herausstellte, war der Gast aber nicht irgendein Offizier. Der Mann, mit dem Alfred Stamm die Limonade teilte, war niemand geringeres als Lonnie Poling, Kapitän des Flugzeugträgers.
Alfred Stamm lud ihn zu sich nach Hause ein, seine Frau machte Mett- und Schinkenbrot. Schnell waren auch die alkoholischen Vorräte aufgebraucht. Doch diese neue Freundschaft sollte sich noch auszahlen. Als die Besucherfahrten zum Flugzeugträger endeten, sollten alle Barkassen-Fahrer die Gelegenheit haben, die Nimitz zu besichtigen. Sie standen vor der Wache, doch ihnen wurde der Einlass verweigert. Nach einer längeren Wartezeit ging ich zum Wachposten und bat ihn, Lonnie Poling auszurufen. Als Lonnie kam und die Menge Volk am Deck sah, fragte er: Are this your friends? Alfred Stamm nickte und schon bekamen er und seine Kameraden den Flugzeugträger von oben bis unten zu sehen. Schließlich wurde ihnen sogar ein Film vorgeführt, der den anderen Besuchern verwehrt geblieben war.
Zahlreiche weitere Geschichten über Freundschaften zu den Amerikaner erreichten die Redaktion. Eine davon stammt von Hans Cordes. Er hatte sich beworben, einen Soldaten bei sich aufzunehmen. Der Nukleartechniker John Seepe war dann für eine Woche sein Gast. Wir haben uns gesehen und es hat einfach gepasst, sagt Hans Cordes. Zwei Mal hat er ihn seitdem bereits in den USA besucht, bald steht die dritte Reise nach Los Angeles an.
Gepasst hat es auch zwischen Meike Kern und Paul Verebly. Die Wilhelmshavenerin und der Soldat lernten sich während des Besuchs der Nimitz 1978 kennen und lieben. Eine Woche war Paul Gast der Familie Kern, sechs Jahre später wanderte Meike nach Amerika aus, um ihn zu heiraten. Mittlerweile lebt das Paar mit zwei Kindern in Nevada.
