Wilhelmshaven - Jugendliche und Erwachsene drängen sich in der Mittagszeit durch die Nordseepassage. Was man bei schlechtem Wetter öfter beobachten kann, ist bei nahezu 30 Grad recht ungewöhnlich. Der Grund: Die erste Berufschancenmesse „Jade Future“ präsentiert sich an diesem Tag in der Nordseepassage. Knapp 80 Unternehmen aus Wilhelmshaven und Friesland machen mit Informationsständen auf sich aufmerksam, verlosen Gewinne oder stellen ihre Handwerksstücke aus.

So auch die 19-jährige Jolene, die eine Ausbildung zur Tischlerin bei der Tischlerei Klaus Papcke absolviert und im dritten Lehrjahr ist. „Mir macht die Arbeit einfach großen Spaß. Viele wollen lieber studieren, aber mir war es wichtig, keinen klassischen Bürojob zu machen.“ Ihrer Meinung nach leide das Handwerk zu Unrecht unter einem schlechten Image. Deshalb sei es umso wichtiger, das Handwerk auf so einer Messe zu präsentieren, ergänzte Phil Papcke. „Der Fachkräftemangel im Handwerk ist groß und das spüren wir auch in der Zusammenarbeit auf Baustellen.“ Die Tischlerei habe aber in diesem Jahr vier Auszubildende.

Schwieriger ist die Situation im Bäckerhandwerk. Während Julia Siemens von der Stadtbäckerei Siemens kleine Figuren aus Fondant modelliert, bleiben einige interessiert stehen, nehmen noch eins der kleinen Probierhäppchen und ziehen weiter. „Schöner wäre es, sie würden einen unserer Flyer mitnehmen“, sagt die Konditormeisterin. Auszubildende für das Bäcker- oder Konditorhandwerk zu begeistern, sei sehr schwer, Bewerbungen gebe es kaum. „Ohne Handwerk wird es schwierig, dann geht irgendwann nichts mehr“, sagt Siemens. Auch für die Stadtbäckerei sei die Präsentation ihres Unternehmens wichtig und mit so einem Lauf habe sie nicht gerechnet.

Doch nicht nur dem Handwerk mangelt es an Personal. Neben Julia Siemens hat das Unternehmen „T-System on site service“, eine 100-prozentiges Tochterunternehmen der Telekom, seinen Stand aufgebaut. Das Unternehmen, das in Berlin und Hamburg vertreten ist, hat auch einen Sitz in Wilhelmshaven. Denn die boomende IT-Branche sucht Personal, wie Gerrit Bette verrät. „Wir sind natürlich auch auf der Suche nach Fachkräften.“ Egal, ob Ausbildung oder duales Studium – gesucht werde immer. Dabei sei die Branche weitaus weniger akademisiert, als viele annehmen würden. „Man muss nicht studiert haben, um bei uns einen Job zu finden. Jeder, der Spaß daran hat, sich mit IT und Entwicklung auseinanderzusetzen, ist gern gesehen“, bestätigt Andreas Pfeil.

Mit der Veranstaltung sehr zufrieden zeigt sich Thomas Hein, der Geschäftsführer des Jobcenters und Mitorganisator. „Wir wollten mit dieser Art von Messe alle Zielgruppen ansprechen und ein weiteres Angebot zur „Job4U-Messe“ schaffen.“ Er hoffe auf eine Wiederholung im nächsten Jahr.


Während sich nahezu alle Branchen an diesem Tag vorstellten, war einzig die Gastronomie mit keinem Stand vor Ort.

Die Messe ist eine Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven, dem Karrierecenter der Bundeswehr, dem Jobcenter Wilhelmshaven, der Jadebay, der Jade Hochschule, dem Landkreis Friesland und dem Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Jade.

Kea Ulfers
Kea Ulfers Redakteurin, Wilhelmshavener Zeitung